Als Neuankömmling in der Single-Welt wird dir nicht nur einmal dringendst geraten, dir die Dating App Tinder runterzuladen. Zugegeben, man musste mich auch nicht lange überreden. Ich meine, das ist eine App, in der ich pro Minute 100 Männer ansehen kann, wie toll ist das denn! Das Hin- und Herwischen allein macht schon mega Spaß und das Schreiben mit diversen Männern auch! Nur als Markus plötzlich nach einem Date gefragt hat, habe ich das Handy gleich auf die andere Seite des Sofas geschmissen und dezent Panik bekommen. Der will sich tatsächlich mit mir treffen! Ein fremder Mann, der bis jetzt nur in meinem Smartphone existiert, will sich face-to-face treffen! OH. MEIN. GOTT. Ja, ich weiß, dass ist das Ziel dieser App: Man soll andere Menschen kennenlernen und Spaß haben. Ja, ja, jaaa, schon verstanden.

Trotzdem: Panisch rufe ich meine BFF an und frage sie, wie ich aus dieser Misere rauskomme. Sie ist auf der Seite von Markus – so wie vermutlich jeder mit normalen Hausverstand. Angesichts der Tatsache, dass es nun mindestens 2:1 gegen mich und meine Panik steht, schreibe ich ihm zurück – ohne ihn an meiner Panik teilhaben zu lassen, eh klar. Mit einem locker-lässigen „Ja, klar!“ ist ein Treffen besiegelt und der Tag der Verabredung schneller da als mir lieb ist.  Per WhatsApp-Nachricht bekomme ich von ihm den wertvollen Hinweis, dass er eine rote Mütze trägt und schon vor dem Lokal steht. Je näher ich dem Lokal komme, desto nervöser werde ich. Ich bin sogar kurz davor, einfach umzudrehen. „Nein, Caroline, ‚die bitch is back‘, also hopp“, geistert immer wieder duch meinen Kopf. Wobei: Manchmal weiß ich nicht, ob der Kopf, der Bauch oder meine Vagina mit mir spricht. In dem Fall wohl eher letzteres!

„Kommst du mit rauf?“

Wie sich herausstellt, waren meine anfänglichen Zweifel völlig unbegründet: Der Abend verläuft ziemlich gut, keine peinlichen Pausen, wir lachen viel, er trinkt Bier, ich Wein und nach einigen Stunden gehen wir vom Lokal zu mir nach Hause. Vor der Tür angekommen küsst er mich und fragt, ob wir uns am Wochenende wieder sehen wollen. „Ok, also erstens: warum kommt er nicht mit uns rauf? Zweitens: WARUM kommt er nicht mit uns rauf? Und drittens WARUMKOMMTERNICHTMITUNSRAUF?“ schreit meine Vagina. Mein Kopf entscheidet sich dann aber doch für die weniger dramatische Version und somit für ein erneutes super lässiges „Ja, klar!“.

Runde Zwei

Am Wochenende unseres zweiten Dates bin ich (erneut) von oben bis unten an den wichtigsten Stellen rasiert, die Frisur sitzt, das Outfit ist sexy und süß zugleich und die Wohnung für einen Männerbesuch bereit! „Heute ist es soweit!“ sage ich mit Blick nach unten. (Ok, redet noch jemand mit seiner Vagina?)

Wir sitzen auf meiner Couch, küssen uns, bewegen uns in Richtung Bett und je näher mein gedanklicher Final Countdown der Null kommt, merke ich, wie er zunehmend nervös wird. Ich versuche, ihm mit sexy Blickkontakt klarzumachen, dass er nicht nervös sein muss und übernehme das Zepter. Das „Zepter“ jedoch hat sich mehr wie ein Gummischlauch angefühlt und trotz meiner Bemühungen bleibt es auch dabei. Ich frage ihn, ob alles ok ist oder er auf etwas anderes steht. Da richtet er sich auf, sieht mich mit seinen großen Augen an und sagt, dass er das einfach nicht schafft! In meinem Kopf spielen sich absurde Gedanken ab, wie: „Er hat eine Freundin! Noch schlimmer, eine Familie!?!“ Und Nein, ich komme dabei nie auf den Gedanken, dass es an mir liegen könnte, denn Ladies: Wir sind super also keine Panik, wenn er mal nicht ready ist! 😉

Nicht lustig!

Er spricht weiter und erzählt mir den wahren Grund: Nach seiner Trennung hatte er einen One-Night-Stand. Die Mischung aus Trauer, Alkohol, Schmerz, usw. machte es ihm schwer, bei der Sache zu sein. Er bekam vor ihr keine Erektion, woraufhin sie ihn minutenlang auslachte. Kurzes Public Service Announcement: Ladies, das ist ein absolutes No-Go! Egal, aus welchem Grund das passiert, es ist absolut nicht okay, jemanden dafür auszulachen. Es hat ihn so verletzt, dass er sich auf niemanden mehr einlassen konnte und seitdem etwas Zeit braucht, bis er mit einer Frau intim werden kann.

Long Story short: Ich habe die Sache zwischen uns beendet. Nein, natürlich nicht, weil es nicht geklappt hat! Er sagte mir ganz offen, dass er jemanden kennenlernen will und eher in Richtung Beziehung denkt. Das war für mich in diesem Moment einfach keine Option. Ich wollte keine Beziehung und ich wollte auch gerade niemanden näher kennenlernen. Aus diesem Grund habe ich meinem ersten Tinder-Date Adieu sagen müssen.

 

MEHR: Der Mann, den ich nicht riechen kann!