Er sind schwere Anschuldigungen, die Sissy Böhm in ihrer Autobiografie gegen den erst kürzlich verstorbenen Schauspieler Karlheinz Böhm erhebt: In dem Buch, das im Jänner erscheinen soll, behauptet sie, sowohl von ihrem Vater als auch von ihrer Mutter sexuell missbraucht worden zu sein. „Er küsste mich auf den Mund. Und er hat mich auch angefasst“, erzählt die heute 59-Jährige im Interview mit ‚Bild am Sonntag‘.

 

Die Vorfälle sollen sich über Jahre hinweg ereignet haben: Sissy Böhm war 13 Jahre alt, als ihr Vater ihr das erste Mal nahe kam. „Als ich morgens unter der Dusche stand,  kam Papi ins Badezimmer herein. Er war nackt, und schien überrascht, als er mich sah. Dann nahm er mich am Arm, zog mich zu sich heran und küsste mich. Ich stieß ihn von mir und stammelte: Wenn du mich nicht in Ruhe lässt, schrei ich. Darauf ließ er mich los, trat ein paar Schritte zurück und sagte: Wehe, du erzählst jemandem davon“, wird aus Böhms Buch Schatten des Lichts zitiert.

 

Das war laut Sissy Böhm nicht der einzige Vorfall. Der Schauspieler, der für seine Rolle des Kaiser Franz Josephs in der ‚Sissi‘-Trilogie und als Gründer der Stiftung ‚Menschen für Menschen‘ berühmt geworden ist, verging sich öfter an seiner Tochter. „Er küsste mich auf den Mund. Und er hat mich auch am Busen angefasst. Daran hat er herumgespielt und gesagt: ‚Du wirst nie einen Busen haben, meine kleine Lolita‘.“

 

Hilfe von ihrer Mutter konnte sich Sissy Böhm keine erhoffen: Sie soll ihr noch Schlimmeres angetan haben. Denn Elisabeth Zoneva, die mit Karlheinz Böhm von 1954 bis 1957 verheiratet war, soll die kleine Sissy bereits als Fünfjährige sexuell missbraucht haben. „Plötzlich, mitten in der Nacht, stand sie vor meinem Bett und sagte: ‚Ich muss dir jetzt mal erklären, wie eine Frau aussieht'“, schreibt Böhm in ihrer Autobiografie.

 

Doch die 59-Jährige wurde laut ihren Erinnerungen nicht nur jahrelang unsittlich berührt, ihre Mutter soll sie auch an Geschäftspartner vermittelt und somit zur Prostitution gezwungen haben. „Meine Mutter nahm mich mit, und wenn einem danach gelüstete, ließ sie mich mit ihm allein, und er konnte seine sexuellen Fantasien an mir ausleben. Sie sagte dann: ‚Ich habe immer Geschäftskontakte, wie du weißt. Du musst nur zu dem einen oder anderen ein bisschen nett sein. Du kennst das ja, du bist ja sowieso schon eine kleine Hure‘.“ Sissy schaffte es laut ihren eigenen Erzählungen nie, sich von der Macht ihrer Mutter zu lösen, und hat dieses Spiel jahrelang mitgespielt. 2011 nahm sich Elisabeth Zoneva schließlich das Leben.

 

Für Sissy Böhm war das Niederschreiben der Biografie, an der sie angeblich seit 30 Jahren schreibt,  eine Art Selbsttherapie. Sie ist heute fünf Mal geschieden, hat einen Aufenthalt in der geschlossen Psychiatrie hinter sich, Zuflucht in Alkohol gesucht und mehrmals versucht, sich das Leben zu nehmen. Mit dem Buch will sie mit den traumatischen Erlebnissen endlich abschließen.

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