Das bittere Ende: 12 Anzeichen, dass eine Beziehung beendet werden sollte

Bleiben ist schmerzhaft – gehen auch. Wenn in einer Beziehung nichts mehr funktioniert und die Liebe offenbar schleichend gegangen ist, muss man sich ernsthaft fragen: Soll ich gehen oder bleiben? miss.at auf der Spur von 12 trügerischen Anzeichen, dass eine Beziehung beendet werden sollte …

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LiebeJakre(miss)

1. Dauernörgeln

Oft macht man es unbewusst, doch es kann eine Beziehung zerstören: Wenn ein oder beide Partner permanent aneinander herumnörgeln. "Sich immer im Recht fühlen oder das letzte Wort haben zu müssen, ist mit dem Zusammenleben als Paar nicht vereinbar", schreibt Michael S. Broder in seinem Buch "Ist Ihre Beziehung noch zu retten?" Seiner Theorie nach kann bei Dauernörgelei eines Partners keiner gewinnen: Man gelangt nicht zu einer Lösung, sondern konzentriert sich so stark darauf, eine Schlacht zu gewinnen, dass man den Krieg verliert – und damit die Beziehung. Auch der Psychologe John M. Gottman sieht in permanenter Kritik am Partner eine Gefahrenzone. Wenn eine Trennung bevorsteht, gibt es seiner Meinung nach Anzeichen, die die Alarmglocken schrillen lassen sollen: Gespräche beginnen dann ständig mit Kritik, Sarkasmus oder Verachtung. John M. Gottman sagt: "Verbalattacken führen zur emotionalen Überflutung eines Partners!" Wir wünschen uns einen Partner, der unser Selbstbewusstsein stärkt. Viele Probleme entstehen, wenn es nicht gelingt, sich von einem Partner zu trennen, der das Selbstwertgefühl eher schwächt.

2. Veränderungszwang

Wenn die erste Verliebtheit schwindet, neigt man dazu, den Partner verändern zu wollen. Doch es ist ein Unterschied, ob man eine Beziehung oder seinen Partner ummodeln will. Michael S. Broder schreibt: "Menschen ändern sich selten grundlegend oder auf Dauer, weil ihre Partner das von ihnen verlangen. Oft werden Partner durch Versprechungen oder vorübergehende Verhaltensänderungen besänftigt. Wenn sich jemand wirklich ändert, dann fast ausnahmslos, weil er es will – und nicht für jemanden anderen." Wolfgang Schmidbauer (Psychoanalytiker, Paartherapeut und Kolumnist in der "Zeit") schreibt in seinem Buch "Paartherapie – Konflikte verstehen, Lösungen finden": "Dass Partner sich lieben müssen, wie sie sind, ist ein Mythos. Man liebt ein Bild, das man sich gemacht hat und es ist normal zu versuchen, den anderen dieser Vorstellung möglichst anzugleichen." Er sieht genau darin die Gefahr. "Wenn der Partner einem Ersuchen nach Veränderung nachkommt, schenkt er der Beziehung ein Stück Harmonie und raubt ihr ein Stück Vielfalt." Heißt: Will ein Partner den anderen gegen dessen Willen verändern, riskiert er langfristig die Beziehung.

3. Verachtung

Wer kennt das nicht: Ist man von einem Menschen extrem genervt, kann es passieren, dass man mit den Augen rollt. Und das kann für ein Beziehungsproblem stehen. Eine Grundthese von John M. Gottmans ist: Paare, die bei Streit oder Diskussionen mit den Augen rollen, zeigen dadurch ihre Verachtung; er schließt daraus, dass diese Beziehung deshalb keine guten Karten hat. Für Gottman ist das Augenrollen ein Indikator für eine nicht funktionierende Beziehung. Er sagt: Verachtung ist eine Emotion, die bei Liebe keinen Platz hat.

4. Schuldzuweisung

John M. Gottman hat vier apokalyptische Reiter definiert, die für Kommunikationssünden stehen, die eine Beziehung gefährden. An erster Stelle steht Schuldzuweisung. Der klassische Fall, wenn ein oder beide Partner sich ständig Fehler vorwerfen und gegenseitig anklagen. Direkt danach folgt die Abwehr bzw. Verteidigung mit Rechtfertigung. Dann geht es nicht mehr um das eigentliche Problem, sondern nur um die Schuldfrage – und das ist verheerend. Schmidbauer sieht das ähnlich: "Den eigenen Anteil an einem Konflikt zu leugnen, ist verhängnisvoll, weil das Gegenüber destabilisiert wird. Die Last für eine Beziehungskrise alleine tragen zu müssen, bedroht das Selbstgefühl. Wer sie dem Partner auflädt, darf sich nicht wundern, wenn er sie mit voller Wucht zurückbekommt und die Kommunikation unter Schuld­zuweisungen erstickt wird."

5. Desinteresse

Es wirkt banal, kann aber alarmierend sein: Ein Paar trifft sich abends – und hat sich wenig zu sagen. Der Mann will vielleicht vor den Computer, die Frau vor den Fernseher: Nur reden wollen sie nicht. Michael S. Broder sieht das als Gefahr, sofern dieses Desinter­esse mehrfach auftritt: Keine Lust zu reden kann dafür stehen, dass man mit der Beziehung abgeschlossen hat. Denn unbewusstes Desinteresse kann sich zu einem Gefühl von Leere gegenüber dem Partner entwickeln. Michael S. Broder sagt: "Das Gefühl von Leere deutet auf die Sehnsucht nach etwas hin, das sie in der Beziehung nicht finden."

6. Rückzug

Eine klassische Situation in einer Beziehung: Der eine meckert herum, der andere hat keine Lust darauf und zieht sich zurück. Die Gefahr für eine Beziehung ist, dass man nicht mehr über Probleme spricht, sondern dicht macht und sprichwörtlich Mauern aufzieht, die schwer niederzureißen sind. "Rückzug ist in einer Beziehung so destruktiv, dass wir ihn uns nur erlauben sollten, um Gewalt zu vermeiden", sagt Wolfgang Schmidbauer. Denn die destruktivsten Beziehungsprobleme sind die, die stetig weiter wachsen, weil man keine Lust hatte, sich um sie zu kümmern, als sie noch klein waren.

7. Keine Freundschaft

Das Geheimnis einer Beziehung liegt nicht nur darin, dass man sich liebt, sondern auch befreundet ist. John M. Gottmann meint: "Eine Freundschaft ist der entscheidende Faktor für eine stabile Beziehung. Ehepartner müssen einen Sinn in ihrer Beziehung finden. Jeder Partner muss die Träume und Hoffnungen des anderen unterstützen. Sie kennen ihre gegenseitigen Gefühle und Wünsche und sind mit grundsätzlichen Dingen in seinem Leben
vertraut."

8. Killer-Leidenschaft

Laut Michael S. Broder stützt sich eine Beziehung auf Leidenschaft, aber auch auf Geborgenheit. Leidenschaft ist zwar die Grundlage für Sehnsucht, Verlangen und Intimität, macht aber alleine keine Beziehung aus. Sie benötigt ein Grundmaß an Geborgenheit, dass man sich in der Gegenwart des anderen wohlfühlt und respektiert, gemeinsame Wünsche, Ziele und Werte hat. Ein Übermaß an Leidenschaft kann zu den schlimmsten Streitigkeiten führen – und zu wenig zu einem Manko an Emotionen. Beides kann eine Beziehung gefährden.

9. Nicht verzeihen

Paare streiten, das ist normal. Auch dass man sich in der Hitze des Gefechts Sachen an den Kopf wirft, die verletzen. Der Schlüssel ist das Verzeihen, gerade von kleinen Verletzungen! Eine Beziehung steht an ihrer Kippe, wenn man solche Narben nicht ruhen lassen kann. Michael S. Broder rät: "Wenn Sie nicht verzeihen können, wird die Beziehung scheitern. Verzeihen soll nicht vergessen bedeuten, vielmehr soll es heißen, dass man den Zorn und den Schmerz loslassen kann." Wichtig auch, dass man alte Faktoren in Streitgesprächen weglässt. Broder nennt diese Altlasten "Joker" und behauptet: Erwähnt man die ständig, gefährden sie die Beziehung! Schafft man es nicht, Probleme ruhen zu lassen, wird eine Beziehung genau daran scheitern.

10. Fehlender Wille

In einer Beziehung ist es wichtig, dass jeder seine Wünsche klar äußert. "Ich will …" ist eine klare Botschaft, was man sich von seinem Partner wünscht. Doch man sollte genau beobachten, wie man seine Wünsche formuliert: Überwiegt die Haltung „Ich will nicht …" gegenüber "Ich will …", ist das laut Michael S. Broder ein Zeichen für einen unbewussten Unwillen für die Beziehung. Es sagt, die Gefahr liegt darin, dass man denkt: Ich will meinen Partner nicht mehr akzeptieren, wie er ist.

11. Kein Vertrauen

Ist in einer Beziehung die Luft raus, kann das daran liegen, dass das Vertrauen zueinander stark gelitten hat. Ob durch einen Streit, eine Affäre, eine Unachtsamkeit: Manche Verletzungen führen dazu, dass man einander nicht mehr vertrauen kann. Dieses Gefühl ist verheerend, denn in der Psychologie geht man davon aus, dass man ein einmal verlorenes Vertrauen nicht mehr wieder gewinnen kann. Michael S. Broder sagt: "Verlorenes Vertrauen ist meist irreversibel!"

12. Lieblosigkeit

Eine Beziehung baut nicht nur auf Liebe auf, sie verlangt auch liebevollen Umgang – sowohl physisch als auch psychisch. Ist Lieblosigkeit entstanden, ist eine Rettung unmöglich, denn Lieblosigkeit ist kein Zustand, sondern ein sich weiter entwickelndes Gefühl. "Was sind Alarmzeichen? Die Rache an kleinen Lieblosigkeiten – quasi nach dem Motto Nachlässigkeit gegen Nachlässigkeit", sagt Wolfgang Schmidbauer und fügt einen Punkt hinzu: Wenn die Sensibilität fehle, sich auf die Emotionen des Partners einzustellen, sei eine Beziehung zum Scheitern verurteilt: "Menschen tun sich unterschiedlich schwer, Enttäuschungen und Schmerzen zu vergessen. Liebevoll in den anderen einfühlen und dessen Schmerzgrenze kennen, erspart viele Probleme."

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