Sorry, but I'm not sorry: miss-Modechefin im Einsatz als Shoppingberaterin

Diese Situation kennt wohl jeder: Man steht beim Shoppen vor dem Spiegel und fragt sich unschlüssig: kaufen oder nicht kaufen? Aber was wäre, wenn plötzlich jemand ganz ehrlich seine Meinung zum potenziellen Kauf sagt? miss-Modechefin Tanja H. hat’s probiert – und kritisiert.

  • Bild: (c) Linda Dziacek/Photostyle.at
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Missen TestenTaha(miss)

Es ist doch so: Jede von uns stand schon mal in einem Shop bzw. einer Umkleidekabine und musste sich auf die Zunge beißen, weil man gerade hier das eine oder andere Styling zu Gesicht bekommt, das optisch einfach nur wehtut.

 

Manchmal ist der Rock eben eine Spur zu kurz, die Bluse zu eng oder die Gesamt­­erscheinung eines Stylings nicht wirklich vorteilhaft oder typ-gerecht. Ging uns doch allen schon mal so, so what? Wer selber noch nie einen Fehlkauf getätigt hat, der werfe den ersten Stein!

 

Aber: Da zumindest ich mit konstruktiver Kritik ganz gut umgehen kann und vermutlich froh wäre, wenn mich jemand auf einen Fehlkauf hinweisen würde, starte ich einfach einen ehrlichen Selbstversuch – und verbringe einen Tag in diversen Shops in der Wiener Innenstadt, um Frauen beim Shoppen zu beraten.

 

Das Kleid sieht billig aus

Zugegeben, etwas mulmig ist mir schon zumute, als ich den ersten Shop mit dem Bewusstsein betrete, dieses Mal statt zu shoppen eine eher unangenehme Mission zu erfüllen habe. Fremde Menschen einfach so anzuquatschen und ihnen im ersten Moment doch irgendwie blöd zu kommen entspricht nämlich nicht meiner Art.

 

Aber wer weiß, vielleicht verstehen die Frauen meine Kritik ja so, wie sie gemeint ist: einfach nur nett und hilfsbereit! Zuerst schaue ich mich um und versuche, die kauffreudige Kundschaft zu analysieren oder etwaige Fehlkäufe ins Auge zu fassen.

 

 

 

 

Das erste „Opfer“ ist schnell ermittelt: ein Mädchen, das sich offenbar nicht sicher ist, ob sie ein elastisches Bodycon-Dress mit Goldzipps – ein ohnehin eher schwieriges Stück – kaufen soll. Sie zerrt es zum bestimmt fünften Spiegel und probiert es scheinbar geistig an.

 

Jetzt bin ich dran. „Du, ganz ehrlich, aber das Kleid sieht billig aus“, sage ich ganz offen. Kurzer Moment des Erschreckens. Perplex antwortet sie dann: „Ja, ich weiß auch nicht …“ – und kurz darauf habe ich die Bestätigung, dass ich ihr die Entscheidung offenbar abgenommen habe, da sie das Kleid auf die Stange zurückhängt.

 

Der Schuh macht Käsefüsse

Schnell weiter in den nächsten Shop – und sofort sehe ich, dass ich mich beim Thema Jeans dringend einmischen sollte. Ripped Jeans sind ja zurzeit total angesagt, was aber nicht unbedingt heißt, dass jede Frau sie tragen kann.

 

So einen Negativ-Fall passe ich direkt in der Umkleidekabine ab und sage: „Traust du dich wirklich, diese Hose anzuziehen? Mutig!“ Das Mädel stutzt. Ich warte ab, wir starren uns an. Die folgende fünfsekündige
Pause ihrerseits ist aber nicht dazu da, mir gegenüber Wut aufzubauen, sondern eher, um laut aufzulachen und „Ach, ich trag eigentlich noch viel schlimmere Sachen“ zu entgegnen.

 

Irgendwie habe ich das Gefühl, die Frauen in Wien sind ganz schön entspannt, was Kritik betrifft. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich noch immer zu höflich bin? Der Satz „Die Hose macht dich dick“ prallt aber genauso an ihr ab. Sie präsentiert mir sogar noch einen Stylingtipp, welches Oversize-Shirt sie zur glänzenden Samtleggings in Flaschengrün kombinieren wird, um ihren Hintern gut zu kaschieren.

 

Jetzt bin ich wirklich baff! Vermutlich hätte ich in dieser Situation patziger reagiert und mich gefragt, wer einem das Recht gibt, ungefragt so ehrlich zu einem fremden Menschen zu sein – ganz egal, ob Moderedakteurin oder nicht.

 

Selbst an der Kassa in einem Schuhshop kann ich eine Kundin mit „Von den Plastikschuhen bekommst du Käsefüße!“ nicht aus der Reserve locken geschweige denn provozieren. Auch hier bekomme ich eine knackige und
lustige Antwort: „Danke, die habe ich eh schon!“

 

 

 

Das Fazit

Ich war mir echt nicht sicher, wie die Menschen auf meine aufrichtig gemeinten Aussagen reagieren. Um ehrlich zu sein, sah ich mich bereits mit einem blauen Auge herumlaufen. Dass die Leute im Endeffekt aber eher amüsiert waren, zeigt, wie selbstbewusst viele Frauen das Thema Shopping angehen – und wie wichtig konstruktive Kritik ist.

 

Ist der Ton nämlich nicht ganz daneben, kann man sich selbst als Fremde die eine oder andere Kritik in der nächsten Umkleidekabine leisten!

 

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