Dein neuer Film „Trash“ spielt in den Slums in Brasilien, du selbst unterstützt in Kenia ein Hilfsprojekt für Kinder. Ist der Film eine Art soziale Botschaft?

Rooney Mara: Wenn ich nicht drehe, versuche ich, mich zu engagieren, deshalb ist dieser Film eine groß­artige Gelegenheit. Er berührt, er ist dramatisch, er ist lustig – und er lenkt das Augenmerk auf ein soziales Problem. Für mich sind diese Art Filme die besten. Ich habe eine Non-Profit-Organisation namens „Uweza“, die sich um die Kinder in den Slums Kenias kümmert. Wir liefern Nahrung und Medizin an die Waisen in Kibera. Mit dem Film verbinde ich nun die zwei großen Interessen in meinem Leben.

 

Wie war die Beziehung mit den drei Jungs, die mit dir gedreht haben? 

Rooney Mara: Wir hatten eine schöne Bindung. Ich reiste schon Monate vor dem Dreh nach Brasilien, um die Jungs kennenzulernen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Wir haben viele Tests gemacht, also wussten sie, wie sie vor der Kamera stehen sollen, um natürlich zu wirken. Wir haben auch einige Ausflüge gemacht, um uns besser kennenzulernen. Dieser Film gehört in gewisser Weise diesen Jungs, denn sie erzählen den Kern der Geschichte.

Du sprichst ja kein Wort Portugiesisch. Wie schwer war es, mit den Jungs zu kommunizieren?

Rooney Mara: Das war die Reise des Films. Die Charaktere mussten die anderen hinter der Sprachbarriere verstehen – und derselbe Prozess fand hinter den Kameras statt. Ich fand das interessant, weil man ja immer einen Weg finden kann, miteinander zu kommunizieren, indem man langsam zwischen wenigen Worten und Gesten die Gedanken des anderen versteht.

 

 

Gab es einen Coach für die Buben?

Rooney Mara: Ja, mehrere, und die machten einen tollen Job. Wir hatten natürlich Dolmetscher, die uns halfen. Und wir haben uns Videos auf unseren iPhones angeschaut und probiert, so zu kommunizieren. Ich habe zudem versucht, meine Darstellung ruhig zu halten. Ich wollte mich auf dieses natürliche Level begeben, das die Jungs hatten. Ich fand es toll, wie sie gleichzeitig naiv und professionell waren. Sie hörten zu, schauten zu – und setzten alles um!

 

 

Also waren die Buben so was wie „natural born actors“?

Rooney Mara: (lacht) Ja! Sie haben diese Scheinwelt vor der Kamera genossen, obwohl die Geschichte natürlich eine ist, die sie sehr gut verstehen können. Ich war verzaubert von ihrer Freude, ihrer Neugier und ihrer Art, so energisch und spontan aufzutreten. 

Warst du vor den Dreharbeiten zu „Trash“ schon mal in Brasilien?

Rooney Mara: Nein, aber ich war 2003 in Ecuador, Peru und Bolivien, für einen Pädagogikkurs, als ich noch
studiert habe. Ich hatte immer schon eine Leidenschaft für Psychologie, Erziehung und Non-Profit-Organisationen und kannte die Umstände in vielen Regionen in Südamerika. Armut sollte nicht als hoffnungslose Situation betrachtet werden. Gerade wenn du siehst, wie Kinder in Rio auf den ärgsten Mülldeponien leben und arbeiten, kannst du nicht gleichgültig bleiben. Da musst du einfach etwas tun!

 

In Rio gibt es eine extrem hohe Kriminalitätsrate. Hast du je das Gefühl gehabt, in Gefahr zu sein, wenn du in die Slums gefahren bist?

Rooney Mara: Nein, niemals. Anfangs wurde ich durch einen Bodyguard geschützt, aber ich habe sehr bald darum gebeten, alleine gehen zu dürfen. Ich habe in den letzten zehn Jahren in meiner ehrenamtlichen Arbeit in den ärmsten Gegenden von Kenia gelebt und gearbeitet. Du musst dir einfach bewusst sein über den sozialen und kulturellen Hintergrund des Landes, in dem du bist. Je weniger wertend du bist, desto mehr trauen dir die Leute und öffnen sich. Ich habe es jedes Mal geschafft, eine echte Verbindung zu den Menschen aufzubauen, die in extrem armen Gebieten leben, indem ich einfach zuhörte und versuchte, sie zu verstehen.

Was hat dich denn dazu motiviert, über Jahre ehrenamtlich mit Kindern zu arbeiten?

Rooney Mara: Vermutlich liegt es daran, dass ich in einer großen Familie aufgewachsen bin. Mein Vater hat zehn Brüder und ich habe eine unendliche Anzahl an Cousins. (lacht) Als ich jünger war, habe ich oft als Babysitterin gearbeitet und war Assistentin in vielen Sommercamps. Ich habe mich immer mit Kindern wohler gefühlt als mit Erwachsenen. Ich finde es auch einfacher, mit Kindern eine Beziehung einzugehen und die Welt aus ihrer Perspektive zu sehen. Viele Schauspieler arbeiten nicht gern mit Kindern, weil die natürlich unberechenbar sein können. Aber genau das liebe ich an Kindern. Als wir „Trash“ gedreht haben, haben wir immer wieder improvisiert, auch weil es unmöglich war, zu kommunizieren, weil sie ja nur Portugiesisch sprachen. Ich hatte die meiste Zeit nicht das Gefühl, dass ich an einem Filmset bin, weil das alles so natürlich war.

 

Willst du denn selbst mit deinem Freund Charlie McDowell eine Familie gründen?

Rooney Mara: Zuerst will ich einen Film mit ihm machen! (grinst) Er ist ein sehr talentierter Regisseur. Mit ihm zusammenzuarbeiten, wäre ein guter Test für uns.

 

Bist du mit deiner Schwester Kate noch immer so eng befreundet?

Rooney Mara: Ja. Sie ist wirklich verantwortlich für meine Karriere. Ich kam wegen ihr nach Los Angeles und sie half mir und gab mir die Gelegenheit, im Business Fuß zu fassen. Los Angeles kann ein sehr einsamer Ort sein ohne enge Freunde. Sie hat es möglich gemacht, dass ich mich wohlfühlte und meinen Weg gehen konnte. Sie hat mich unglaublich unterstützt!

Kate hat ja jede Menge Anerkennung für ihre Arbeit in der Serie „House of Cards“ bekommen. Wie hast du denn auf die Szene reagiert, in der ihr Charakter Zoe Barned stirbt, weil sie vor die U-Bahn gestoßen wird?

Rooney Mara: Kate und ich wussten von Anfang an, als sie mit „House of Cards“ begonnen hat, dass genau das das Schicksal ihres Charakters sein würde. Aber ich muss zugeben, dass es schon traumatisierend für mich war, sie auf dem Bildschirm sterben zu sehen, weil es auf so eine unfassbar grausame
Weise geschah.

 

Werden wir dich als Lisbeth Salander wiedersehen in „The Girl Who Played With Fire“, dem zweiten Teil von „The Girl With The Dragon Tattoo“?

Rooney Mara: Ich hoffe, dass wir noch einen Teil machen! Das Drehbuch für den zweiten Film ist fertig, und es ist echt brillant. Das Letzte, was ich hörte, ist, dass die Dinge momentan in Wartestellung sind. Ich würde es wirklich lieben, Lisbeth noch mal zu spielen!

 

Im Herbst sehen wir dich im Film „Pan“, wo du die Gegenspielerin von Hugh Jackman bist …

Rooney Mara: Ich spiele Tiger Lily. Für diesen Film zu drehen war eine intensive Erfahrung. Ich verbrachte vier Monate in Großbritannien und wir sind quasi täglich über das Set gehetzt. Eine simple Szene in diesem Film dauerte eine Woche. Aber ich war total inspiriert von Hugh Jackman. Er ist echt professionell, ein supernetter Mann, der hart arbeitet und sehr hilfsbereit ist.

 

 

Double Feature

Im Drama „Trash“ (ab 18. Juni im Kino) kämpft Rooney Mara für mehr Gerechtigkeit in den brasilianischen Slums, in „Pan“ (ab 15. Oktober im Kino) reist sie als Tiger Lily mit Hugh Jackman und Garrett Hedlund nach Nimmerland.

 

 

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