Wir sind betrunken. Wir gehen in die Pratersauna. Wir trinken einen Nussschnaps. Wir trinken einen Spritzer. Ich gehe auf die Toilette.

Das war‘s.

Aus. Schluss. Ende.

Blackout.

Ich liege auf einer Wiese. Alles um mich herum ist fremd. Eine Stimme sagt mir immer wieder, dass ich gehen soll. Ich höre Männerstimmen. Ich bekomme Panik. Bin benommen. Alles dreht sich. Ich nehme meine Schuhe und versuche mit aller Kraft aufzustehen und zu rennen.

Blackout.

„Weißt du wie du heißt? Wo du bist? Was ist passiert?“
Dieses fremde Mädchen steht direkt vor mir und stellt mir diese Fragen. Ich kann keine beantworten. Das Reden fällt mir schwer. Sie fragt weiter: „Weißt du von den Knutschflecken an deinem Hals?“ Meine erste Panikattacke. Ich kratze meinen Hals.

Blackout.

Ich sitze im Krankenwagen mit einer Sanitäterin und einer Polizistin. Sie steckt mir das Alkoholmessgerät in den Mund. Ich weine, bekomme kaum Luft, will einfach nur raus. Wieder die Frage „Was ist passiert?“

Blackout.

Ich sitze mit einer Freundin im Taxi.

Blackout.

Ich wache in meinem Bett auf. Rechts neben mir liegt eine Freundin, nicht die aus dem Taxi, eine andere. Ich bin verwirrt.

Gedanke: „Was für ein Traum!“

Ich gehe ins Badezimmer. Knutschflecke am Hals. Kein Traum.

Das Outfit von der Nacht liegt am Boden. Kotzflecken auf der Hose. Die Schnalle vom rechten Schuh ist zerrissen. Ich verstecke alles unter meinem Bett.

Tage und Wochen mit Kopfschmerzen, Panikattacken, Scham, Hass, Angst, Tränen, Verzweiflung, Leere.

Ich schaffe es selbst nicht raus. Ich gehe zur Therapie. Reden hilft.

Der Raum ist orange. Die Couch viel zu weich. Sie fragt: „Was ist passiert?“. Diese Frage.

Die ersten zwei Stunden. Das gespielte starke Ich und die Therapeutin. Sie bemüht sich. Ich nicht. Keine Tränen. Keine ganzen Sätze. Ich mache Atemübungen. Gebe seltsame Geräusche von mir.
Weil sie das will. Ich nicht.

Fremde Person. Fremde Umgebung. „Schließe die Augen und …“ sagt sie. Unterbreche ich mit „Nein!“. Kann ich nicht. Schaffe ich nicht. Mag ich nicht.

Gedanke: „Reiß dich zusammen!“

Wieder sitze ich im Raum mit den orangefarbenen Wänden, auf der viel zu weichen Couch. Wir probieren etwas Neues aus.
„Denke an jene Nacht. Für dich selbst. Lass alle Gefühle zu.“ sagt sie. Mach ich.

Ich denke an diese Nacht. Ich denke an die Lücken. Die Luft wird dünner. Der Brustkorb schwer. Ich sitze steif da. Meine Augen sind aufgerissen und füllen sich mit Tränen. Panikattacke. Vor ihr.
Ich lasse es zu.

Nächste Stunde. „Stell dir vor, du sitzt vor dir. Schreie dich an. Beruhige dich. Sage alles, was du willst!“. Mach ich.

Letzte von 10 Stunden im orangefarbenen Raum, auf der viel zu weichen Couch.
Ich gehe raus. Atme durch. Fühle mich gut, erleichtert, stolz.

Reden hilft.

Die Lücken dieser Nacht bleiben. Gehören jetzt zu meinem Leben. Ich komme damit klar. Panikattacken, Scham, Hass, Angst, Tränen, Verzweiflung, Leere. Alles da. Ab und zu. Aber ich kontrolliere es.

Ich bin stark. Ich bin glücklich.

Das bin ich. Hier und jetzt.

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