Fashion Talk: True You im Interview

Was tut man, wenn man mit dem Angebot an heimischer Mode einfach nicht zufrieden ist? Man gründet einfach sein eigenes Label. Das haben sich zumindest Ilja, Roland und René gedacht, als sie vor einem Jahr "True You" ins Leben gerufen haben.

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DesignerKKönig(miss)

Mittlerweile sind sie ein Team von 7 Leuten, verkaufen ihre Kollektionen im "Addicted to Rock" Store am Getreidemarkt und arbeiten mit einem Designer aus Paris zusammen.

 

 

Ich habe die sympathischen Jungs und Mädels von "True You" zum Interview getroffen und herausgefunden, dass man es mit sehr viel Ehrgeiz und Leidenschaft schaffen kann, seine Träume zu verwirklichen.

 

 

Stellt euch bitte kurz mal vor!

 

 

 

Ilja: Ich heiße Ilja und hab gemeinsam mit den 2 Svoboda Brüdern das Label vor einem Jahr gegründet, weil wir uns gedacht haben, dass wir sind nicht ganz zufrieden sind mit dem was Österreich an Kleidung anbietet und wir hatten immer schon ein spezielles Interesse daran, Kleidung zu bearbeiten. Und dann haben wir uns gedacht: "Warum nicht? Versuchen wir es einfach mal." Und jetzt stehen wir da wo wir heute sind.

 

 

Zwei von euch kommen ja ursprünglich aus der Gastronomie, wie habt ihr den Sprung in die Modebranche geschafft?

 

René: Wir sind da irgendwie so rein gerutscht. Eigentlich haben wir uns immer schon für Mode interessiert und haben damals bei unserem Vater im Keller das Projekt "True You" gestartet. Etwas später sind dann plötzlich Angebote aus Deutschland, Paris etc. gekommen und so hat sich unser Label dann weiterentwickelt.

 

 

Wie kann man sich die Rollenaufteilung bei euch im Unternehmen vorstellen?

 

Ilja: Ich kümmere mich um die interne, strukturelle Aufgliederung, damit jeder weiß was er zu tun hat und keine Streitigkeiten entstehen. Marco und Pedram studieren mit mir Kommunikationswirtschaft auf der FH und als mir die Arbeit zu viel geworden ist, habe ich die zwei zu uns ins Boot geholt. Marco kümmert sich um die Finanzen und Pedram ist für das Marketing zuständig.

 

 

René: Ich bin hauptsächlich für die Produktion zuständig und schaue, dass da alles mit geregelten Dingen zugeht und mein Bruder Roland ist der kreative Kopf der "True You" Familie und arbeitet gemeinsam mit Jorina und Isabella an den Designs.

 

 

Soweit ich weiß arbeitet ihr mit einem Designer aus Paris zusammen. Wie ist die Kooperation entstanden?

 

Roland: Wir haben zu Beginn mit einer deutschen Firma zusammengearbeitet und bei einem Meeting in Deutschland hab ich den französischen Designer kennengelernt und er hat mich gleich im Anschluss eingeladen, dass ich nach Paris komme und mit ihm zusammen mal ein bisschen herumbastle. So ist dann eine Partnerschaft und mittlerweile auch eine gute Freundschaft entstanden. Er ist hauptsächlich für die Schnitte zuständig und unsere Sachen werden auch direkt in Paris produziert.

 

Marco: Wir haben zwei Linien: "Natura" und "Astat". "Astat" ist das seltenste Element der Welt und das steht auch dafür, dass wir diese Sachen exklusiv machen, nur eine kleine Stückzahl oder ausschließlich Einzelteile produzieren. "Natura" ist das Gegenstück dazu, das sind natürlich auch extravagante Teile aber von denen wird deutlich mehr produziert und sie sind preiswerter. Wir legen großen Wert auf Nachhaltigkeit und das unsere Kleidung unter fairen Bedingungen produziert wird.

 

 

Wie finanziert ihr euch euer Label?

 

René: Mein Bruder und ich haben davor ja in der Gastronomie und Roland auch nebenbei im Theater sehr viel gearbeitet und wir haben uns dadurch einiges zusammen gespart und das dann auch eigentlich alles in "True You" investiert. Jetzt klappt das natürlich nicht mehr so, da wir ständig expandieren und so auch die Kosten immer mehr werden.

 

Ilja: Durch gutes Networking haben wir auch einiges geschafft. Durch unsere Medienpräsenz sind viele Leute bewusst an uns heran getreten und haben Kooperationen vorgeschlagen. Also wenn wir das tolle Netzwerk an Leuten nicht gehabt hätten, wären wir nicht da wo wir jetzt sind. Das würden wir auch jedem raten der sich selbständig machen will, Networking ist sehr wichtig!

 

 

Wie kann man sich einen normalen Arbeitstag bei "True You" vorstellen?

 

Roland: Kein Tag ist "normal" bei uns. Jede Sekunde, jede Stunde passiert irgendwas - das ist Stress pur. Man kann nicht schlafen und denkt nur an "True You", das ist einfach unser Lifestyle und schwer zu beschreiben, aber es macht uns großen Spaß.

 

Marco: Der "Addicted to Rock" Store ist unser Hauptquartier, wo wir uns immer treffen und gemeinsam an neuen Ideen arbeiten. Es ist sehr wichtig nicht nur virtuell zu kommunizieren, sondern auch regelmäßig Meetings persönlich abzuhalten.

 

Ilja: Seit wir im "Addicted to Rock" Store vertreten sind, haben wir auch einen viel persönlicheren Zugang zu unseren Kunden und so bekommen wir direktes Feedback und merken sofort was gut ankommt und was vielleicht nicht so gut ankommt. Im "True You Customizing Corner" kann man auch sowohl mitgebrachte Sachen, als auch im Store gekaufte Sachen individuell bearbeiten lassen und im Anschluss Unikate mit nach Hause nehmen.

 

 

Welche Essentials braucht jeder männliche/weibliche Kleiderschrank?

 

Ilja: Grundsätzlich ist alles bei uns Unisex gehalten und der "Recoat" ist ein absolutes Must-Have. Er kann vielseitig getragen werden und hält nicht nur warm sondern sieht auch super stylish aus. Grundsätzlich braucht auch jeder Mann eine gut sitzende Lederjacke und jede Frau eigentlich auch.

 

Roland: Boots sind auch wichtig, auf alle Fälle! Jeder sollte ein stylishes Paar besitzen.

 

 

Habt ihr irgendwelche Obsession?

 

Roland: Definitiv Jogginghosen! Ich geh sogar mit Jogginghosen in die Passage.

 

Pedram: Ich wurde oftmals kritisiert, weil ich so oft Holzfällerhemden trage. Aber die sind einfach am bequemsten.

 

 

Ein absolutes Fashion No-Go?

 

Ilja: Sich nicht so zu präsentieren, wie man sich fühlt. In dem Moment, wo man merkt, dass sich jemand in seiner Kleidung wohlfühlt und selbstbewusst darin auftritt, ist es tragbar meiner Meinung nach.

 

 

Was muss eine Frau beim ersten Date tragen um euch zu beeindrucken?

 

Marco: Sie muss etwas besonderes tragen, also sie sollte nicht zu alltäglich aussehen. Aber es kommt natürlich auch auf die inneren Werte drauf an.

 

Ilja: Es geht nicht wirklich darum was die Person trägt, sondern mehr wie sie auftritt. Wenn eine Person mit der Kleidung ihre Persönlichkeit unterstreicht, dann finde ich sie automatisch attraktiv und gut gestylt.

 

 

Ihr seit ja alle eher durch Umwege zu dem gekommen was ihr jetzt macht, findet ihr, dass ein Modedesign Studium überbewertet ist? Reicht Talent aus?

 

Ilja: Bis zu einem gewissen Grad funktioniert es, aber im Grunde braucht man immer die nötigen Qualifikationen und die fachliche Kompetenz, allein rechtlich gesehen ist das sonst nicht machbar. Wenn du dir diese Dinge nicht selbst beibringen kannst, musst du sie auf jeden Fall in Form eines Partners, oder eines Mitarbeiters ins Boot holen. Das Beste ist ein Zusammenspiel von beidem. Wenn man es gelernt hat und genug Kreativität vorhanden ist außerhalb der Grenzen zu denken, dann kann man fast alles erreichen.

 

 

Was haltet ihr von der österreichischen Modeszene? Und wie hat sie sich verändert?

 

Roland: Wir wollen die Leute hier auf jeden Fall dazu bringen, sich mehr zu trauen damit sie einfach den Mut haben modetechnisch mehr zu wagen.

 

Ilja: Die "Vienna Fashion Week" verfolge ich jetzt seit 3 Jahren und ich finde schon, dass sich etwas verändert hat. Wien ist noch immer nicht am selben Level wie die internationalen Modemetropolen und bestimmt könnte sich noch etwas mehr tun, aber das ist ja genau der Grund wieso wir "True You" gegründet haben.

 

 

Wie würdet ihr eure Zielgruppe beschreiben?

 

Ilja: Unsere Zielgruppe kann man gar nicht so genau definieren. Der Name "True You" bedeutet ja "dein wahres Selbst", deswegen kann jeder unsere Kleidung tragen, wenn er sich darin wohlfühlt, von 0 bis 100. Das betrifft sowohl Schüler, Studenten, Businessleute, die in der Mittagspause vorbeikommen und gestern gerade hat sich ein Pensionist einen Mantel bei uns gekauft.

 

 

Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

 

Ilja: Hoffentlich tun wir in 10 Jahren genau dasselbe wie jetzt. Im Sinne davon, dass uns die Arbeit Spaß macht und wir uns nicht sagen lassen müssen in welche Richtung wir uns bewegen sollen und einfach das tun was wir wirklich wollen.

 

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