Von Aktien bis Zinsen: Finanz-Begriffe erklärt

Durchblick im Geld- und Finanz-Dschungel: Die wichtigsten Begriffe im Detail:

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Geld & Steuern03.06.2015 | 15:02 Content Agentur Prazak(miss)

„Als ich klein war, dachte ich, Geld sei das Wichtigste im Leben. Jetzt, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt.“ Was der Schriftsteller Oscar Wilde einst von sich gab, mag nicht für alle von uns stimmen und nicht jeder will zustimmen – schließlich gibt es wichtigere Dinge als ein dickes Konto oder fette Sparbücher. Was aber sicherlich richtig ist: Wer mit Geld gut umzugehen versteht, lebt entspannter. Daher sollten wir uns alle mit Finanzthemen beschäftigen, egal ob es um eine kluge Kontoführung, richtiges Sparen oder Kredite geht.

Wichtig ist es, einige grundlegende Begriffe rund um Geld und Finanz zu verstehen. Damit hat man das Grundwissen, um mit seinem Einkommen besser umgehen zu können und um unseriöse Finanzangebote zu erkennen. Denn wer nichts weiß, muss alles glauben.

 

AKTIEN

Das sind Anteile an einem Unternehmen. Wer Aktien besitzt, dem gehört damit ein Teil der jeweiligen Firma – diese kann sich durch die Ausgabe von Aktien Geld für zukünftige Projekte holen. Je nach Geschäftslage und allgemeinem Zustand des Unternehmens und der jeweiligen Branche steigt oder sinkt der Wert der jeweiligen Aktien. Zudem erhalten Aktienbesitzer eine Gewinnausschüttung (Dividende), wenn die Geschäfte gut laufen. Aktien sind aber eine sehr riskante Sache, denn nicht einmal Experten können vorhersagen, wie sich die Firma oder der Markt insgesamt entwickeln wird. Wer mehr Geld anzulegen hat, sollte höchstens ein Drittel davon in Aktien stecken, sonst ist das Risiko zu hoch. Ein deutscher Experte sagte mal, Kleinaktionäre seien das „Kanonenfutter des Wertpapierhandels“ – das stimmt. Lass dich niemals zu riskanten Aktiengeschäften überreden.

 

ANLEIHEN

Diesen Begriff hört man immer wieder in den Nachrichten. Staaten oder Unternehmen geben solche Anleihen (auch Schuldverschreibungen genannt) aus, um sich Geld auszuborgen. Sie garantieren dann, bis wann das Geld zurückbezahlt wird und welche Zinsen dafür gegeben werden. Zwar unterliegen Anleihen auch Kursschwankungen, sie gelten aber als vergleichsweise sichere Anlageform. Wer eine Anleihe vor Ende der festgesetzten Laufzeit zurückgibt (etwa weil Geld benötigt wird), bekommt aber nur den Preis, den diese gerade an der Börse hat, und nicht den vereinbarten, der erst am Ende der Laufzeit fällig wäre.

 

BAUSPAREN

Eine in Österreich sehr beliebte Variante, Geld anzusparen. Eigentlich ist das vor allem für den Bau oder den Kauf von Häusern gedacht, aber das Geld kann für alles Mögliche verwendet werden. Mit einem Bausparvertrag kann entweder ein fixer Geldbetrag angelegt werden oder es wird monatlich etwas angespart. Nach Ende der sechsjährigen Mindestlaufzeit kann auch ein vergleichsweise günstiger Kredit aufgenommen werden, etwa für den Kauf einer Wohnung.

 

BÖRSE

Eine Börse ist einfach eine Art Markt, auf dem mit Geldprodukten gehandelt wird, vor allem mit Aktien. Wie auf allen Märkten können die Preise steigen und sinken. An der Börse sind Händler tätig, die Aktien kaufen und verkaufen – natürlich zu bestimmten Regeln, denn es geht ja nicht um Billigwaren, sondern um Anteile an Unternehmen und damit um wichtige Bestandteile der Wirtschaft. Der Aktienhandel an den Börsen (zum Beispiel an der Wiener Börse) funktioniert ganz ohne Papierkram, alles wird am Computer abgewickelt. Die Händler verfolgen die Entwicklung der Kurse und können entsprechend reagieren. Wenn man sagt, ein „Unternehmen geht an die Börse“, dann bedeutet das, es werden beispielsweise Aktien ausgegeben, damit Geld hereinkommt. Die wichtigsten Aktien der Wiener Börse sind im ATX (Austrian Traded Index) zusammengefasst, dessen Entwicklung sagt dann etwas über die Entwicklung des gesamten Marktes aus.

 

BRUTTO

Der Begriff umschreibt Größenangaben, in denen bestimmte Teile enthalten sind. Bei Preisen im Geschäft ist beispielsweise die Mehrwertsteuer (= Umsatzsteuer) bereits enthalten, es handelt sich also um Brutto-Preise. Wichtig ist der Begriff vor allem bei Löhnen und Gehältern: Das Bruttogehalt umfasst Lohnsteuer- und Sozialversicherungsabgaben (Krankenkasse, Pensionsversicherung etc.) – diese müssen dann noch weggerechnet werden. Netto bleibt dir dann deutlich weniger über. Mit Online-Rechnern kannst du dir ausrechnen, wie viel tatsächlich auf deinem Konto landet.

Link: Brutto-Netto-Rechner

 

CHARTS

Wie sich eine Aktie an der Börse entwickelt, wird am einfachsten bei Betrachtung eines Charts ersichtlich. Dabei handelt es sich um eine grafische Darstellung des Kursverlaufs. Wenn der Wert der Aktie steigt, dann klettert die Kurve nach oben – und umgekehrt. Börse-Experten versuchen aufgrund der unterschiedlichen Verläufe der Charts Prognosen abzuleiten, was nicht immer gelingt.

 

FONDS

Weil das Risiko für Einzelne bei einem Kauf von Aktien groß ist, gibt es Fonds. Diese sammeln Geld bei Anlegern ein und stecken dieses in unterschiedliche Aktien (Aktienfonds), aber auch in andere Anlageprodukte wie Anleihen oder Immobilien (Überbegriff Investmentfonds). Anteile an solchen Fonds können zwar auch im Wert steigen und sinken, doch das Risiko ist deutlich geringer, als wenn nur einzelne Aktien gekauft werden. Die Investitionen werden von Fondsmanagern übernommen, die sich (hoffentlich) damit auskennen. Bei Fonds ist es aber wichtig, auf Nebenkosten zu achten, diese können teilweise recht beachtlich sein und etwaige Gewinne auffressen. Es gibt bei den Fonds unterschiedliche Risikoklassen, über diese müssen die jeweiligen Fondsverwalter (beispielsweise Banken) ausführlich Auskunft geben. Je höher der Anteil der Aktien in diesen Fonds ist, desto größer ist das Risiko.

 

INSOLVENZ

Das bedeutet auf gut Deutsch, dass eine Firma pleite ist. Die Zahlungsunfähigkeit bedeutet, dass Rechnungen oder auch Gehälter nicht mehr bezahlt werden können. In der Folge wird ein Insolvenzverfahren eröffnet. Es wird dabei zwischen Konkursverfahren (Aufteilung des vorhandenen Vermögens auf die Gläubiger, Führung der Firma durch einen Masseverwalter) und Sanierungsverfahren (Versuch der Rettung und Fortführung des Unternehmens) unterschieden. Ein Sonderfall einer Insolvenz ist der Privatkonkurs: Auch Privatpersonen können nämlich in die Insolvenz geraten, sie können also ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Im Vorjahr waren das in Österreich rund 8600 Menschen. Dann muss nur ein Teil der Schulden über einen bestimmten Zeitraum zurückbezahlt werden, allerdings bleibt den Leuten sehr wenig übrig für sonstige Ausgaben, es wird ihnen nämlich das Einkommen bis zum Existenzminimum weggenommen.

 

LOHNSTEUER

Das ist jene Steuer, die Arbeitnehmer (also die Mitarbeiterinnen von Firmen) an den Staat zahlen müssen. Die Lohnsteuer richtet sich nach der Höhe des Gehalts: Je mehr jemand verdient, desto höher ist der Anteil der Lohnsteuer. Das Geld wird direkt vom Unternehmen vom Gehalt abgezogen und an das Finanzamt weitergeleitet. Selbstständig tätige Personen zahlen keine Lohnsteuer, sondern eine Einkommensteuer – das ist im Prinzip dasselbe, allerdings müssen sie sich selbst um Berechnung und Weitergabe an das Finanzamt kümmern.

 

NETTO

siehe bei „Brutto“.

 

RATING

Auch diesen Begriff hört man öfters in den Nachrichten. Es handelt sich um die Einschätzung der Kreditwürdigkeit (= Bonität) eines Schuldners: Je höher die Chance, dass dieser das Geld tatsächlich pünktlich zurückzahlen kann, desto besser wird dieses Rating ausfallen. Ratings gibt es für Unternehmen, aber auch für ganze Staaten (Ziffern A bis D, ergänzt um Plus- oder Minuszeichen, also beispielsweise AA+). Da es beispielsweise Griechenland wirtschaftlich im Moment gar nicht gut geht, wurde das Rating des Landes herabgestuft. Es gibt allerdings auch oft Kritik an den Rating-Agenturen, die solche Bewertungen durchführen.

 

SPARBUCH

In Österreich ist das gute alte Sparbuch noch immer die beliebteste Form, sein Geld anzulegen. Weit mehr als die Hälfte der Österreicherinnen und Österreich bevorzugen das Sparbuch. Die Grundidee ist ja auch nicht schlecht, gerade in unsicheren Zeiten: Das Sparbuch ist etwas sehr Sicheres, da kann nicht viel passieren, selbst wenn die ganze Bank pleitegeht (was ja heute gar nicht mehr so abwegig ist). Konten und Sparbücher bis zu einem Wert von 100.000 Euro sind in Österreich nämlich von der Einlagensicherung abgedeckt. Allerdings bieten Sparbücher wegen der derzeit extrem niedrigen Zinsen außer dieser Sicherheit nicht mehr sehr viel: Ein Zinssatz von einem Prozent ist heute schon etwas Außergewöhnliches. Das liegt aber nicht an den Banken, sondern am allgemeinen Zinsniveau (siehe unter „Zinsen“). Bei Sparbüchern ist nicht nur die Höhe der versprochenen Zinsen wichtig, sondern auch die Bindungsfrist – das bedeutet, dass du weniger Zinsen bekommst, wenn du dein Geld vor Ablauf dieser Frist abhebst. Für die (derzeit jämmerlichen) Zuwächse auf Sparbüchern ist dann auch noch Steuer zu bezahlen, nämlich die sogenannte Kapitalertragssteuer (kurz KESt) in der derzeitigen Höhe von 25 Prozent, das heißt von 100 Euro Zinsgewinn am Sparbuch behält sich der Staat 25 Euro.

Link: Bankenrechner der Arbeiterkammer

 

ZINSEN

Wenn jemand Geld herborgt, dann muss er später nicht nur diese Summe selbst wieder zurückbekommen, sondern es werden zusätzlich Zinsen dafür verlangt. Wenn dir die Bank also einen Kredit gibt, dann zahlst du dafür Zinsen – im Gegenzug bekommst du Zinsen, wenn du Geld am Sparbuch liegen hast, weil du ja sozusagen der Bank dein Geld borgst. Das Wort Zinsen stammt aus dem Lateinischen (Census = Abgabe). Die Höhe dieser Zinsen hängt vom jeweiligen Zinssatz ab, angegeben in Prozent. Dieser wiederum richtet sich nach dem allgemeinen Zustand der Wirtschaft und anderen Kriterien wie Angebot und Nachfrage am Geldmarkt sowie der Laufzeit. Entscheidend dafür, wie hoch die Zinsen derzeit in einem Land oder einem größeren Wirtschaftsraum wie der EU generell sind, sind die sogenannten Leitzinsen. Diese sind derzeit sehr niedrig, weil die Wirtschaft in der EU nicht wirklich gut in Form ist. Das bedeutet, dass einerseits Kredite vergleichsweise günstig sind, andererseits aber auch nicht viel Zinsen für Guthaben (etwa auf Sparbüchern) bezahlt werden. Wichtig ist bei Krediten und auch bei Bausparverträgen die Unterscheidung zwischen fixen (über einen bestimmten Zeitraum bleiben die Zinsen gleich) und variablen (können sich laufend ändern) Zinssätzen.

 

 

 

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