Der neueste Tiktok-Trend kommt uns jetzt im Sommer gerade recht: Denn Schröpfen ist offiziell wieder an­gesagt! Unter dem sexy Namen Cupping wurde der alten Heil­praktik ein modernes Update verpasst.

Jetzt heißt es also: auf die Cups, fertig, los!

Cupping: Der neueste Hype auf TikTok, Instagram und Co

Zeitsprung in die Nullerjahre: Eine ganze Reihe berühmter Sportlerinnen und Sportler ist plötzlich mit seltsamen kreisrunden Blut­ergüssen gezeichnet. Es dauert nicht lange, da werden auch die ersten Celebritys wie Jennifer Aniston, Gwyneth Paltrow und Victoria Beckham mit ähnlichen Flecken abgelichtet. Ein erster Hype um das Schröpfen ist ausgebrochen! Doch so schnell er da war, ebbte er auch wieder ab, und die berühmten Gesichter zogen zu neuen Wellness-Weiden weiter. Bis vor Kurzem zumindest!

Denn der Beautytrend ist zurück, diesmal aber unter dem fancy klingenden Pseudonym Cupping. Aber nicht nur der Name ist neu, sondern auch die primäre Intention hinter der Behandlung. Und während Anfang der 2000er-Jahre tatsächlich nur der Profi Hand anlegen durfte, verbreitet sich auf Tiktok, Instagram und Co gerade eine neue Bewegung: Geschröpft wird jetzt daheim! Dass der Trend ausgerechnet 2022 wiederkehrt, dürfte angesichts der langen Pandemie und der Lockdowns wohl auch kein Zufall sein.

Schröpfen 2.0

Die alte Schröpftechnik aus der Traditionellen Chinesischen Medizin ist im Mainstream angekommen, und so kommen immer mehr junge Menschen auf die Idee, sich Saugglocken auf die Haut zu setzen. Doch inwiefern unterscheidet sich nun der Cupping-Trend vom klassischen Schröpfen Anfang der 2000er-Jahre? Eine Antwort auf diese Frage liefert uns die Wiener Cupping-Therapeutin Andrea Harich. Sie arbeitet schon seit vielen Jahren mit dieser Technik und ist sich der Vorteile schon lange bewusst. „Im Gegensatz zu damals weiß man mittlerweile viel mehr über die Faszien und über ihre große Wichtigkeit“, so die Expertin.

Der Clou hinter der modernen Variante ist vor allem die Massage. „Beim modernen Cupping wird die altbewährte Technik mit aktuellem Faszienwissen verbunden. Durch das erzeugte Vakuum in den Cups werden die Zwischenzellsubstanzen aktiviert und der Lymphfluss wieder zum Strömen gebracht“, erklärt Harich.

Die Kläranlage des Körpers

Okay, Priorität Numero uno ist: Die Lymphflüssigkeit muss fließen! Und hier kommt nun wieder das Schröpfen 2.0 ins Spiel. Durch die Schröpfmassage wird der Lymphfluss – und damit der Abtransport unerwünschter Stoffe – unterstützt. Aus diesem Grund wird unser Lymphsystem übrigens auch als körpereigene Kläranlage bezeichnet.

Bewegen wir uns zu wenig, kann das zu einem Lymphstau führen. Die Folge: Entzündungen oder Krankheiten. Und da z. B. auch Cellulite durch angestaute Lymphflüssigkeit entsteht, werden die Vakuum-Cups auch gerne dagegen angewandt. Klar, wir lieben uns hoffentlich alle so, wie wir sind, aber gegen eine Delle weniger am Hintern würden wir uns jetzt auch nicht gerade mit Händen und Füßen wehren, oder? Neben den gesundheitlichen Vorteilen also ein netter Zusatzeffekt!

Ohne Risiken?

Doch so manch einer stellt sich nun wohl auch die Frage: Ist die Eigenbehandlung nicht auch mit Risiken verbunden? Die Expertin gibt Entwarnung: Im Gegensatz zum klassischen Schröpfen sind die Glocken beim Cupping nicht aus Glas, sondern eben aus Silikon. Auch Hitze sollte bei der Eigen­anwendung nie zum Einsatz kommen. „Die Anwendungen mit Silikoncups sind harmlos, da sie nur oberflächlich in das Bindegewebe reichen“, so Harich. Bei akuten Entzündungen oder Verletzungen der Haut sollte man aber lieber darauf verzichten. Wer auf Nummer sicher gehen oder gezielt Weh­wehchen behandeln will, bei dem sollte der Gang zum Profi immer die erste Wahl sein. Zwar sei das Cuppen daheim nicht so effektiv wie eine professionelle Behandlung, doch wer es regelmäßig und gründlich durchführt, wird von den Benefits profitieren, sagt die Expertin: „Man fühlt sich fitter und bekommt ein tolles Körpergefühl, das man nicht nur
sieht, sondern auch spürt.“

Und übrigens: Cupping empfiehlt sich das ganze Jahr über, aber am effektivsten ist das Prozedere im Frühjahr und Sommer, da der Stoffwechsel nach dem Winter ohnehin hochfährt. Also nichts wie ran an die Cups!

Und so funktioniert Cupping

Step 1: Peelen

Um die Haut optimal auf das Cupping vorzubereiten, solltest du die jeweilige Körperstelle zuerst mit einer Bürste peelen. Beim Dry Brushing werden abgestorbene Hautzellen ent­fernt, die Durchblutung wird stimuliert und das Lymphsystem angeregt – optimal, um mit der Schröpf­session zu starten! Eine Körperbürste bekommt ihr in jedem Drogeriemarkt.

Step 2: Einölen

Damit das Cupping aber auch funktioniert, muss es flutschen! Das geht entweder, indem du unter die Dusche steigst und auf eine nasse Behandlung setzt (das bietet sich vor allem an, wenn’s mal schnell gehen muss), oder aber du verwendest Körperöl. Das massierst du dann einfach in die Haut ein – und schon kann es losgehen! Ein natürliches Körperöl gibt es beispielsweise von Team Dr Joseph, um ca. 16 Euro.

Bild: Team Dr Joseph

Step 3: Schröpfen

Für die Behandlung daheim eignen sich vor allem Saug­glocken aus Silikon. Drücke
den Cup mit den Fingern zusammen und setze ihn auf die Haut.
So entsteht ein Unterdruck, der Cup kann sich festsaugen. Bewege ihn nun ganz vorsichtig und beginne mit der Massage, um den Lymphfluss anzuregen. Ein Cupping-Set von Crystallove bekommt ihr zum Beispiel online über Notino für 26 Euro.