Das Video der Amerikaner Thordis Elva und Tom Stranger beim Ted Talk sorgt für Aufregung und Diskussionsstoff im Netz. Die beiden teilten in Form eines Vortrags ihre dramatische Geschichte: Tom hat Thordis vor 20 Jahren vergewaltigt – sie hat ihm verziehen.

Als die junge Frau 16 Jahre alt war, lernte sie den damals 18-jährigen Tom kennen und verliebte sich in ihn. Die beiden wurden ein Paar, hatten aber noch keinen Sex. Auf einer Party vergewaltigte Tom seine damalige Freundin, die zu betrunken war, um sich zu wehren. Danach trennten sich ihre Wege.

Trauma aufarbeiten

Mehrere Jahre später beschloss Thoris, Tom zu kontaktieren und ihn zur Verantwortung zu ziehen – um das Geschehene aufzuarbeiten. Die beiden waren daraufhin eigenen Angaben zufolge über acht Jahre in Briefkontakt, bevor sie beschlossen, sich zu treffen. Mittlerweile hat das Opfer seinem Peiniger verziehen, die beiden haben gemeinsam ein Buch (“South of Forgiveness“, auf Deutsch: “Ich will dir in die Augen sehen. Eine Frau trifft den Mann, der sie vergewaltigt hat“) geschrieben und halten Vorträge über das aufwühlende Thema, das sie verbindet.

Bei ihrem Ted Talk erzählt die heute 36-jährige Thordis von den Schuldgefühlen, die sie lange Zeit gequält haben, Tom schildert, wie er die sexuelle Nötigung der damals erst 16-Jährigen Jahre lang verdrängt habe. “Ich leugnete die Wahrheit, indem ich mich selbst davon überzeugte, dass es Sex und nicht Missbrauch war”, erklärt er.

Kluge Strategie zur Geldmache oder ehrliches Engagement?

Im Netz scheiden sich die Geister wenn es um die Glaubwürdigkeit und Sinnhaftigkeit der ganzen Geschichte geht. Viele meinen, der Vortrag und die Emotionen der beiden wirken einstudiert, einige weisen auch darauf hin, dass Tom mit seiner Vergewaltigung nun sogar Geld mache. Andere loben wiederum das Engagement des ungewöhnlichen Duos, Missbrauchs-Opfern zu zeigen, dass es hilft, über ihre Erlebnisse zu sprechen, dass sie sich nicht dafür schämen müssen und dass es auch nach einem so traumatischen Erlebnis die Chance auf ein glückliches Leben gibt. Vor allem die Tatsache, dass der Täter sein Gesicht zeigt und offen über sein Verbrechen spricht, um so auch anderen jungen Männern zu vermitteln, dass dieses Verhalten alles andere als akzeptabel und normal ist, findet bei vielen Menschen Anklang.

Auf der Website von Ted schreibt Thordis außerdem,: Ich verstehe diejenigen, die darüber erzürnt sind und mich dafür kritisieren, dass ich dem Täter in der Diskussion eine Stimme ermögliche. Aber ich glaube, dass man eine Menge davon lernen kann, wenn man jenen zuhört, die ein Teil des Problems sind – wenn sie dazu bereit sind, ein Teil der Lösung zu werden – nämlich darüber, welche Ideen und Einstellungen zu ihrem gewalttätigen Verhalten geführt haben, damit man daran arbeiten kann, diese effektiv zu entwurzeln.”.

Fazit

So oder so – die beiden haben mit ihrer Geschichte für Diskussions-Stoff gesorgt. Und über heikle Themen wie sexuelle Nötigung zu diskutieren, die Motive dahinter zu beleuchten und einen offenen Umgang mit der Aufarbeitung eines solchen Traumas zu forcieren, tut am Ende wohl mehr Gutes als Schlechtes… unabhängig davon, welche Motive tatsächlich hinter der Vermarktung der Geschichte von Thordis und Tom stecken.