Als Frau hat man es in der heutigen Zeit nicht immer leicht. Das Streben nach mehr Toleranz, Freiheit und vor allem Akzeptanz kann letztendlich ziemlich anstrengend sein. Mit dieser Bewegung kam auch der Begriff Body Positivity – Seinen Körper lieben und seine Fettpölster und Dehnungsstreifen feiern. Aber so einfach ist das Ganze nicht. Je mehr der Begriff in den Medien präsent wurde, desto mehr wurden wir Frauen unter Druck gesetzt: “Ich MUSS mich jetzt also schön finden.” Aus der Freiwilligkeit wurde also Pflicht.

Klar sind es wahrscheinlich Komplexe, wenn ich mich über mein dünnes Haar oder meine überschüssigen Pfunde aufrege, aber es sind immer noch meine Komplexe und niemand kann erwarten, dass ich diese von heute auf morgen aus meinem Gedächtnis lösche. Und das ist das Problem der Body Positivity-Bewegung. Was ist, wenn man seinen Körper eben nicht liebt, ihn manchmal sogar hasst und sonst ganz ok findet? Was ist, wenn man nicht mehr die ganze Zeit über sein Äußeres definiert werden möchte?

Jeder hat das Recht auf einen eigenen Zugang zu seinem Körper

“Liebe deinen Körper, so wie er ist!” – Ein gut gemeinter Ratschlag, der gerade über all auf der Welt Wellen schlägt, aber so leicht ist das eben nicht. Da helfen auch keine Covers mit “Plus-Size Models” in verschiedensten Hautfarben, Fotostrecken mit ungeschminkten Models oder unzählige neue Instagram-Accounts, die das Credo vermitteln wollen, dass wir uns feiern sollten, so wie wir sind. Natürlich ist der Kern von Body Positivity zu begrüßen und wir dürfen auch nicht vergessen, dass sich durch diese Bewegung in den letzten Jahren viel geändert hat. Auch wenn uns noch immer Schönheitsideale in der Werbung vermittelt werden, lösen sie sich immer mehr auf.

Dass wir alle unterschiedlich aussehen und unterschiedliche Körper haben, hat viel mit dem Gedanken Body Positivity oder auch Body Neutrality zu tun. Ein Begriff, der 2015 zum ersten Mal von der US-Amerikanerin Melissa Fabello gebraucht wurde. Sie ist der Ansicht, dass es Wichtigeres gibt, als den eigenen Körper und man sich niemals zwingen sollte, ihn zu lieben. Respektieren ja, aber ansonsten sollte man sich von der Obsession des eigenen Körpers verabschieden. Eines dürfen wir bei den ganzen Bewegungen aber nicht außer Acht lassen: unser Körper steht immer wieder im Vordergrund. Immer wieder müssen wir uns über unseren Körper definieren. Können wir nicht endlich mal anfangen uns über uns selbst zu definieren?

Wir sollten aufhören uns über unsere Körper zu definieren

Ja, unser Körper wurde uns gegeben und wir haben ihn unser ganzes Leben lang. Er ist unsere Hülle und wir können ihn wertschätzen, für das, was er jeden Tag aufs Neue leistet. Aber, wir müssen es nicht. Wir müssen ihn weder lieben, noch müssen wir ihn in jeder Sekunde unseres Lebens akzeptieren. Wenn wir uns an einem Tag so hässlich fühlen, dass wir gar nicht vor die Tür möchten, dann ist das genauso ok, wie wenn wir uns selbst unglaublich attraktiv finden. Das Wichtigste ist doch, dass wir nicht nur unser Körper sind. Wir müssen an einen Punkt gelangen, an dem das Aussehen in unserer Gesellschaft keinen großen Stellenwert mehr hat und in den Hintergrund rückt. Natürlich dürfen wir unsere ganz eigenen, subjektive Schönheitsideale haben, aber wir sollten weder andere noch uns selbst danach beurteilen.

Im Grund sind wir doch nicht schön, weil wir so aussehen, wie wir aussehen; sondern weil wir die sind, die wir nun einmal sind. Wir müssen lernen wieder anderen Dingen Raum zu geben, die viel wichtiger sind, als das Aussehen. Loyalität, Mut, Ehrlichkeit – Eigenschaften, die wir selbst bestimmen und für die wir stehen. Wir müssen begreifen, dass Bewegungen, so toll sie auch sind, uns im Endeffekt immer wieder auf unseren Körper reduzieren, aber es genau darauf nicht ankommt. Wir sollten wieder lernen auf Charaktereigenschaften und Persönlichkeit zu achten; auf innere Werte, die letztendlich wirklich von Bedeutung sind.