Wir kennen es alle: Das Vorurteil, dass Mädchen schlechter in Mathe sind, als Jungs. Schon in der Schule wird uns – direkt oder indirekt – vermittelt, dass es eben Dinge gibt, die Jungs besser können und Dinge, bei denen sich Mädels leichter tun.

So kommt es auch nicht selten vor, dass sich Lehrer im Unterricht bei kniffligen Rechnungen automatisch auf das männliche Publikum konzentrieren – Mädchen werden dafür woanders gefördert (in Biologie zum Beispiel, oder in Sprachen). Diese vorurteilsbehaftete Herangehensweise könnte laut Forschern der Grund dafür sein, warum Mädchen oft schlechter in Mathematik sind, als ihre männlichen Kollegen. Eine “Self-Fulfilling Prophecy”, also (Selbsterfüllende Prophezeiung).

 

 

 

Wissenschaftler nehmen Vorurteil unter die Lupe

Forscher der New York University haben sich diese Ungleichheiten im Rahmen einer Studie genauer angesehen und fanden heraus, dass die mathematischen Fähigkeiten der Mädchen in der Schule konstant schlechter werden, obwohl sie mit relativ gleichen Voraussetzungen in die Volksschule kommen, wie Jungen. Insgesamt werteten die Forscher die Schulergebnisse und Daten von mehr als 12.500 Kindern aus.

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Die Ergebnisse der Studie sind schockierend:

Jungs und Mädchen wurden laut den Forschern von den Lehrern – trotz gleicher Leistungen – unterschiedlich benotet. Die Wissenschaftler erklären sich die unfaire Benotung durch die Tatsache, dass die Lehrer automatisch davon ausgehen, dass Buben besser in Mathe sind als Mädchen und sie deshalb schlechter benoten. Hierbei kommt es laut Experten außerdem zu einer “Self-Fulfilling Prophecy”: Den Mädchen wird vermittelt, dass Mathematik kein Gebiet ist, auf dem sie erfolgreich sein können, und deshalb sind sie es auch nicht.

Das bestätigt auch eine weitere Analyse zweier internationaler Studien, die insgesamt fast 500.000 Schülern aus 69 Ländern testete. Sie zeigt, dass Mädchen und Mathematik sehr wohl zusammenpassen – aber eben nur, wenn ihnen vermittelt wird, dass sie es können: Je ausgeprägter die Chancengleichheit der Geschlechter in einem Land war, desto besser waren die Resultate der Mädchen.

Zukunfts-Mathematiker

Diese vorurteilsbehaftete Benotung habe einen großen Einfluss auf den Gender Gap in Mathematik, meint der Studien-Autor Joseph Robinson Cimpian, außerordentlicher Professor für Wirtschaftswissenschaften und Bildungspolitik. “Der Gender Gap bei den Topleistungen in Mathematik verdient besondere Aufmerksamkeit. Schließlich werden hier die Grundlagen für zukünftige Mathematiker, Informatiker und andere Berufe im Mint-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik, Anm.) gelegt – allesamt Berufsgruppen, in denen Frauen nach wie vor unterrepräsentiert sind”.

Wie Rollen-Stereotype unser Leben beeinflussen

Diese Erkenntnis kann auf viele Gebiete ausgeweitet werden: Frauen können nicht Einparken, Männer lernen Sprachen nicht so schnell, Jungs sind besser in Sport, Mädchen sind fleißiger…

Um Chancengleichheit am Arbeitsmarkt garantieren zu können und die Gleichberechtigung voranzutreiben, muss Kindern also von Anfang an vermittelt werden, dass sie alles lernen können – unabhängig von ihrem Geschlecht.