Am Thema Ohrringe für Babys und Kleinkinder die Geister: Ist das nun niedlich – oder bereits Körperverletzung?

Für viele Eltern ist es ganz natürlich, Mädchen schon im Baby- oder Kleinkindalter Ohrlöcher stechen zu lassen. Doch immer wieder werden Stimmen laut, die vor den Gefahren warnen und noch weiter gehen, und Ohrringe als Körperverletzung sehen. Doch was sagen Experten?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland spricht sich ganz klar gegen Ohrlöcher bei Babys und Kleinkinder aus: Zum einen sei es rechtlich bedenklich, da ein Kind keine wirksame Einverständniserklärung abgeben könne – und es somit mit Körperverletzung gleichzusetzen sei. Fälle dieser Art würden sogar manchmal vor Gericht landen. Die Inhaberin eines Tattoo-Studios in Köln wurde zum Beispiel im Jahr 2016 dazu verdonnert, einem dreijährigen Mädchen 70 Euro Schmerzensgeld zu zahlen, da der Eingriff „schmerzhaft und traumatisch“ gewesen sein soll.

Zum anderen bestehe ein Infektionsrisiko. Dabei gehe es weniger um Entzündungen, die direkt nach dem Stechen aufträten, wenn die Löcher ein ausgebildeter Juwelier sticht. Aber ein Ohrloch sei nun einmal eine Eintrittslücke für Keime, zu Infektionen könne es also auch lange nach dem Verheilen kommen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass sich Kinder beim Toben und Spielen verletzen und der Ohrring “ausreißt”. 

Daher empfehle der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Ohrringe erst ab etwa zwölf Jahren. Der Handelsverband Juweliere in Deutschland nennt hingegen kein Mindestalter. Es sei jedem Juwelier selbst überlassen, zu entscheiden, ob er dem Wunsch der Eltern nachkommen möchte – oder sich weigert, einem Kleinkind Ohrlöcher zu stechen. Allerdings rät der Verband Eltern so lange zu warten, bis sich die Kinder selbst Ohrringe wünschen.