Die Sea Watch 3 legte vergangenes Wochenende ohne Genehmigung im Hafen der italienischen Insel Lampedusa an. Nun drohen der Kapitänin Carola Rackete bis zu 15 Jahre Haft. Dass sie 40 Menschenleben mit dieser Aktion gerettet hat, scheint den Verstoß nicht zu rechtfertigen.

Vor ihrer Festnahme hat Carola Rackete die Sea Watch 3 zwei Wochen lang durch internationale Gewässer gesteuert. Kein einziger europäischer Staat ließ das Boot mit 40 Geflüchteten in einem ihrer Häfen anlaufen. Als die Wasservorräte knapp wurden, sich die psychischen Zustände der Menschen an Bord verschlechterten und der Müll sich türmte, entschied  die deutsche Schiffskapitänin trotzdem im Hafen von Lampedusa anzulegen – wohl wissend, welche Konsequenzen sie erwarten.

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Wir stehen an der Seite unserer Kapitänin #CarolaRackete. Seit gestern steht sie in #Lampedusa unter Hausarrest, nachdem sie 40 Menschen mit der #SeaWatch 3 sicher in den Hafen brachte. Alles was sie wissen wollte: “Sind sie jetzt an Land?” Alles was wir wollen: #freeCarolaRackete — We stand by our captain #Carola Rackete. She was placed under house arrest in Lampedusa, after having brought 40 people safely into port with the #SeaWatch3. All she kept asking: “could the people leave the ship?” All we are asking: #FreeCarola! — Siamo vicini a Carola, la nostra Comandante. Da questa mattina, dopo aver condotto in porto le 40 persone, si trova agli arresti domiciliari a Lampedusa. La nostra Capitana continuava a chiedere: sono sbarcate le persone? Non facciamo altro che pensarla. — 📸 Till M. Egen #united4med #ApriteiPorti #DefendSolidarity #SeenotrettungistkeinVerbrechen #Seenotrettung #searescue #searescueisnotacrime #safepassage #rechtaufflucht #togetherforrescue #right2rescue #refugeeswelcome #SeaResistance #refugees #humanrights #menschenrechte #europe #humanity

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15 Jahre Haft für 40 gerettete Menschenleben

Beihilfe illegaler Einwanderung und Verletzung italienischer Hoheitsgewässer – so lautet die Anklage gegen die 31-jährige Deutsche. Damit könnte sie bis zu 15 Jahre ins Gefängnis gehen. 50.000 € muss die Organisation Sea Watch als Strafe für das untersagte Anlegen im italienischen Hafen bezahlen. Nun stehen für die Kapitänin Vernehmungen durch die ermittelnden Staatsanwälte an. Der sizilianische Staatsanwalt Luigi Patronaggio, der auch den Haftbefehl der Deutschen unterzeichnet hat, betonte: “Humanitäre Überlegungen können nicht gewalttätige Aktionen gegen die Polizei rechtfertigen, die im Meer für die Sicherheit arbeiten.” Ein Großteil der europäischen Bevölkerung sieht das jedoch anders.

Solidarität der europäischen Bevölkerung

Schon bevor Rackete die mittlerweile beschlagnahmte Sea Watch 3 mit einem waghalsigen Anlegemanöver in den italienischen Hafen brachte, haben viele EU-Bürger ihre Solidarität ausgesprochen und Unterstützung angeboten. So habe zum Beispiel Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf schon am Freitag getwittert, sie würden der Kapitänin im Falle einer strafrechtlichen Verfolgung zu Seite stehen. Mittlerweile haben sie durch einen  Spendenaufruf knapp 75.000 € für die Sea Watch gesammelt.

Auch die europäische Zivilbevölkerung organisiert sich: der Hashtag #freecarola trendet seit Samstag in den sozialen Netzwerken. Immer wieder wird betont, wie absurd es nicht sei, für das Retten von Menschenleben inhaftiert zu werden. Nicht ins Gefängnis, vielmehr in die Geschichtsbücher, gehöre die junge Kapitänin. Außerdem sind schon einige Demonstrationen angekündigt, wie etwa am 2. Juli ab 18:00 Uhr in Wien.

Was macht die Sea Watch eigentlich genau?

Die Sea Watch 3 ist ein Rettungsschiff der deutschen NGO Sea Watch. Ihre primäre Aufgabe als zivile Seenotrettung ist es Menschenleben zu retten. Kurzzeitig heißt das, Flüchtende aus dem Mittelmeer zu retten und sie mit dem dort geltenden Seenotgesetz in Sicherheit zu bringen. Langzeitig strebt die Organisation das Schaffen legaler und sicherer Fluchtwege an. Sie sind vehement gegen die Abschottung Europas und ihr akutes Ignorieren von Tatsachen. Und Tatsache ist, wie der aktuelle Fall der Sea Watch 3 einmal mehr zeigt, dass Menschen übers Mittelmeer flüchten und die europäische Flüchtlingspolitik kläglich scheitert.