Kamala Harris wird Vizepräsidentin der USA, sofern der Demokrat Joe Biden die Präsidentschaftswahlen im November gewinnt. Am 11. August hatte Biden verkündet, sich für Harris als “Running Mate” entschieden zu haben.

Somit ist sie die erste WOC (Woman of Color) an der Seite eines Präsidentschaftskandidaten.

Kamala Harris: Die Erste

Sie war schon oft die Erste: Die erste Frau auf dem Chefposten der Bezirksstaatsanwaltschaft von San Francisco, die erste Justizministerin Kaliforniens, die erste Senatorin mit dunkler Haut, die Kalifornien in Washington vertrat. Nun ist sie die erste schwarze und erste asiatisch-amerikanische Frau, die eine der beiden großen Parteien der USA für das Amt der Vizepräsidentin ins Rennen schickt.

Mit ihren 55 Jahren bringt die Amerikanerin mit jamaikanisch-indischen Wurzeln frischen Wind in den Wahlkampf des 77-jährigen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden. Sie repräsentiert das liberale, junge Amerika und steht somit auch in starkem Kontrast zu Bidens republikanischem Konkurrenten Donald Trump.

Wer ist die Senatorin aus Kalifornien?

Große Bekanntheit erlangte die Senatorin 2019, als sie sich ins Rennen um die Nominierung des demokratischen Präsidenten schmiss. Anfangs galt sie als unmittelbare Spitzenreiterin, jedoch war sie bereits Ende des Jahres wieder aus dem Rennen. Kritiker warfen ihr vor, keine klaren Positionen zu formulieren. Bei liberalen Aktivisten erfreute sich Harris aber aufgrund ihrer harten Kritik und harten Befragung von Kandidaten und Beamten der Regierung unter Donald Trump großer Popularität. So unterzog sie Trumps umstrittenen Kandidaten für das oberste Gericht, Brett Kavanaugh, einem harten Verhör. Der Bestätigungsprozess von Kavanaugh im Senat war 2018 extrem kontrovers, nachdem mehrere Frauen ihn sexueller Übergriffe beschuldigt hatten. Er wurde am Ende nur knapp mit den Stimmen der Republikaner gewählt.

Dennoch gilt Harris – wie auch Biden – als moderat und pragmatisch, nicht als Ideologin. Sie bleibt in ihren Positionen bisweilen uneindeutig. Im linken Parteiflügel, wo man lieber die progressive Senatorin Elizabeth Warren als Kandidatin gesehen hätte, schaut man eher skeptisch auf Harris. Für ihre Zeit als Staatsanwältin in Kalifornien erntete Harris Kritik aus der schwarzen Bevölkerung und vom linken Flügel der Demokraten. So wurde ihr vorgeworfen, die Rolle der Polizei bei Schießereien nicht ausreichend untersucht zu haben. Ihre Unterstützter beharren hingegen darauf, Harris sei immer offen für Reformen gewesen. Sie verweisen auf ihre Bilanz im Senat, in den sie 2016 als erst zweite schwarze Frau überhaupt gewählt worden war. Dort setzte sie sich unter anderem für eine Polizeireform ein. Zudem verteidigte Harris die Todesstrafe auch dann noch, als sie ein kalifornischer Richter 2014 für verfassungswidrig erklärte.

Tochter eines Jamaikaners und einer Inderin

Kamala Harris ist die Tochter von Donald Harris, einem Wirtschaftswissenschafter an der Stanford University, der aus Jamaika in die USA kam, und der Ärztin und Brustkrebsforscherin Shymala Gopalan, die in Indien geboren wurde. Gopalan war zudem Bürgerrechtlerin. Harris lebte nach der Scheidung ihrer Eltern zeitweise im kanadischen Montreal. Sie studierte an der Howard University in Washington D.C Politikwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften. 1986 machte sie ihren Bachelorabschluss und studierte an der University of California Rechtswissenschaften. 1990 erhielt sie ihre Zulassung als Anwältin.