Schon seitdem ich vor längere Zeit den Dokumentarfilm “Fat, Sick, and Nearly Dead” auf Netflix gesehen habe, spiele ich mit der Idee eine Saftkur zu machen. Pünktlich vor Weihnachten wollte ich diesen Gedanken dann endlich in die Tat umsetzen. Eines gleich vorweg: Hier geht es nicht ums Abnehmen, sondern um Entgiftung und meinem Körper mal wieder gesunde Nährstoffe zu geben. Die Verdauung vor den Festtagen nochmal ein bisschen zu entlasten, den Körper zu entgiften und ihm etwas Gutes tun, kann ja eigentlich nicht schaden.

Was genau ist eigentlich eine Saftkur?

Saftfasten ist eine Variante des Heilfasten, nur in abgeschwächter Form, da nicht nur Wasser und Kräutertees erlaubt sind, sondern eben auch frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte. Über den Tag verteilt trinkt man dann 1,5 bis 2 Liter Saft und natürlich viel Wasser oder Tee zusätzlich. Es ist wirklich wichtig, mindestens 2 Liter Flüssigkeit neben den Säften zu sich zu nehmen, da sonst Kreislaufprobleme und Kopfschmerzen drohen, mehr ist natürlich noch besser. Auch klare Gemüsebrühe ist erlaubt. Saftfasten sollte nicht als Diät durchgeführt werden, sondern dient vielmehr als Möglichkeit, seiner Verdauung für ein paar Tage Ruhe zu gönnen und seine Ernährungsweise zu überdenken. Mir geht es zumindest so, dass ich ständig Lust auf Süßes haben, hier und da nebenbei mal einen kleinen Snack esse und nicht wirklich wahrnehme, was ich tagsüber eigentlich so alles zu mir nehme. Eine Saftkur kann daher ein guter Einstieg in eine bewusstere und gesündere Ernährung sein. Natürlich verliert man zwangsläufig an Gewicht, wenn man fünf Tage lang auf Essen verzichtet, allerdings ist das meiste davon Wasser und kein Fett. Wie beim Heilfasten sollte man auch beim Saftfasten mit einem Entlastungstag beginnen – dafür eignet sich ein Obsttag sehr gut. Der Körper wird auf die Saftkur vorbereitet und bekommt einen ordentlichen Kick an gesunden Nährstoffen und Vitaminen. Am besten Obst mit einem hohen Wasseranteil essen und auf kohlenhydratreiche Sorten eher verzichten. Am nächsten Tag beginnt dann die Saftkur mit einer gründlichen Darmentleerung. Ich habe mich hierbei für Sauerkrautsaft entschieden, der den Darm sanft anregt. Hier gibt es aber auch verschiedene Salze, wie Glaubersalz, die die Darmtätigkeit anregen. Anscheinend soll man durch einen leeren Darm während der Kur weniger Hunger verspüren, ob das stimmt, werde ich bald herausfinden.

Meine Saftkur-Woche

Ich habe mir vorgenommen die Saftkur insgesamt fünf Tage lang durchzuziehen, plus einen Entlastungstag und drei Aufbautage, um meinen Magen wieder langsam an feste Nahrung zu gewöhnen. Die Säfte werde ich mir jeden Abend selbst pressen, mit einem einfachen Entsafter, den ich mir schon vor ein paar Jahren gekauft hatte. Das Obst und Gemüse kaufe ich alles in Bio-Qualität. Über den Tag werde ich dann immer 1,5 Liter Saft trinken. Wie es mir die Woche über erging, erfahrt ihr hier:

Tag 1

Nachdem ich gestern schon meinen Entlastungstag hatte und nur Obst gegessen habe, wache ich heute Morgen ziemlich hungrig auf. Bevor ich mir allerdings meinen ersten Saft gönnen kann, muss ich erstmal ein Glas Sauerkrautsaft trinken – also Nase zu und durch. Die Wirkung tritt auch ziemlich schnell ein und ich spute aufs Klo. Danach gibt es meinen ersten Saft – ich starte ganz simple mit Apfel-Kartoffel-Ingwer in meine Saftkur und er schmeckt wirklich großartig. Danach verschwindet mein Hungergefühl auch erstmal und ich erledige ein paar Kleinigkeiten im Haushalt. Ich habe den ersten Tag extra auf einen Sonntag gelegt, um mich noch etwas entspannen zu können. Der Vormittag vergeht schnell und auch zu Mittag fällt es mir relativ leicht, nur eine klare Gemüsebrühe zu löffeln. Danach gibt es auch gleich zwei weitere Gläser Saft und das Hungergefühl meldet sich bis jetzt auch noch nicht zurück. Am späteren Nachmittag merke ich dann allerdings schon, wie mein Magen knurrt und sich eine leichte Müdigkeit breit macht. Also greife ich wieder zu meiner Flasche. Meine letzte Portion Saft trinke ich dann erst später am Abend, während ich schon wieder am Saftpressen für den nächsten Tag bin. Danach bin ich auch wirklich fix und fertig und falle schon um 21.30 Uhr leicht hungrig ins Bett.

Tag 2

Zu meiner Verwunderung wache ich heute morgen ohne Hungergefühl auf und fühle mich wunderbar leicht. Eigentlich klar, ich habe immerhin gestern nichts gegessen. Ich trinke in Ruhe ein großes Glas Saft – heute gibt es Ananas-Apfel-Minze und fahre (noch) gut gelaunt in die Arbeit. Dort fragt mich meine Kollegin Clara alle paar Stunden, ob bei mir noch alles klar sei. Ich glaube, sie hat Angst davor, dass ich plötzlich unausstehlich werden könnte. Mir geht es aber körperlich recht gut, ich bin fit und mein Bauchknurren hält sich auch in Grenzen. Nach meiner Brühe zu Mittag machen sich allerdings ziemliche Kopfschmerzen breit, die bis zu Abend immer stärker werden. Deshalb mangelt es mir den restlichen Tag auch an Konzentration. Trotz der restlichen Säfte und den Tee- und Wasserkannen, die ich zusätzlich leere, verschwinden die Kopfschmerzen leider nicht.

Tag 3

Die Kopfschmerzen sind leider am nächsten Tag auch noch da, aber es hilft nichts, ich muss in die Arbeit. Immerhin habe ich keinen Hunger, trotzdem gibt es erstmal wieder eine Portion Saft. Diesmal habe ich schon mehr Gemüse beigemischt: Apfel-Gurke-Zitrone-Vogerlsalat. Der Saft schmeckt wirklich gut und gibt mir auch eine Menge Energie. In der Arbeit fällt es mir leider wie gestern schwer, mich zu konzentrieren. Als Mittagessen genieße ich wieder meine klare Gemüsebrühe, während alle anderen wirklich richtig leckere Sachen essen. Es nicht mal das Problem, dass ich so großen Hunger hätte, aber das Essen riecht einfach sooo geil und ich hätte einfach Bock etwas zu essen. Stattdessen gibt es als Nachtisch wieder Saft für mich. Gegen Abend gibt es dann einen kleinen kleinen Lichtblick: Meine Kopfschmerzen werden langsam weniger. Wie die Tage zuvor bin ich aber unglaublich k.o. und gehe sehr früh schlafen.

Tag 4

Heute Morgen bin ich schon vor dem Weckerklingeln wach geworden und fühle mich richtig fit und ausgeschlafen. Ich habe das Gefühl, wenn der Körper nicht die ganze Nacht mit der Verdauung beschäftigt ist, schläft man einfach viel tiefer und ruhiger. Auch meine Kopfschmerzen sind wie weggeblasen. Meinen Gurken-Ananas-Zitronen-Saft trinke ich brav, obwohl mir inzwischen die Säfte schon ein bisschen aus dem Hals raushängen, wenn ich ehrlich bin. Aber: In der Arbeit bin ich heute super flink und habe tolle Ideen. Es ist schön, wenn die Artikel leicht von der Hand gehen. Es fühlt sich so an, als hätte ich viel mehr Energie als sonst. Heute bin ich auch das erste Mal am Abend nicht total fertig und beschließe noch eine kleine, langsame Runde joggen zu gehen. Es läuft sich wirklich super leicht, was mich sehr überrascht. Immerhin trinke ich seit vier Tage nur Säfte. Danach presse ich dann zum allerletzten Mal meinen Saft für morgen und ich bin wirklich froh, dass dieser Teil der Woche endlich geschafft ist. Das Selbstpressen war bis jetzt wirklich eines der nervigsten Dinge, da es schon eine Zeit lang dauert und der Entsafter jedes Mal danach wieder gründlich gereinigt werden muss.

Tag 5

Wieder werde ich vor dem Weckerklingeln munter und bin voller Energie. Der Arbeitstag verläuft so super wie gestern und auch wenn ich auf meinen Saft nicht mehr so wirklich Lust habe, trotzdem trinke ich ihn brav. Er schmeckt ja auch wirklich nicht schlecht – Orange-Karotte-Rote Rübe-Ingwer gibt es heute, aber es ist jetzt einfach schon der fünfte Tag an dem es nur Saft gibt… Am Abend bin ich einfach super happy, dass ich es geschafft habe und wirklich verwundert, wie fit und munter ich auch heute noch bin. Jetzt muss ich nur noch die letzte Hürde meistern: Spieleabend mit Freunden und gaaaaaanz viel Chips. Erstaunlicherweise fällt es mir aber gar nicht schwer, nicht zuzugreifen. Ich verspüre keinerlei Hunger und Lust auf ungesunde Snacks erst recht nicht.

Der erste Aufbautag

Geschafft! Ich habe es wirklich durchgezogen und es fühlt sich großartig an. Ich freue mich schon sehr auf richtiges Essen, auch wenn der Hunger nicht wirklich groß ist. Der erste Apfel nach fünf Tagen und der Geschmack ist einfach unglaublich. Zu Mittag habe ich mir eine Kartoffelsuppe gekocht und zum Abend schlürfe ich eine leckere Tomatensuppe mit einem Knäckebrot. Hunger auf Süßes habe ich keinen und schon nach sehr kleinen Portionen bin ich einfach voll. Die nächsten zwei Tage steht auch noch sehr leicht verdauliche Kost auf meinem Speiseplan. Immerhin muss sich mein Körper erst wieder an feste Nahrung gewöhnen und würde ich richtig reinhauen, könnte er das fettige und ungesunde Essen gar nicht verdauen. Magenschmerzen und Übelkeit wären die Folge.

Mein Fazit

Ich muss sagen, dass ich wirklich erstaut bin, wie leicht mir die Saftkur-Woche gefallen ist. Auch wenn die ersten Tage noch etwas mühsamer und anstrengender waren, gab es keinen Moment, in dem ich dachte, ich müsste die Kur jetzt abbrechen. Am Ende der Woche hatte ich dann viel mehr Energie als vor der Kur und habe mich großartig gefühlt. Gestört hat mich nur, dass meine Haut die Woche über um einiges schlechter geworden ist. Ich habe das Gefühl, als wären alle meine versteckten Pickel herausgekommen und meine Haut würde sich so reinigen, was ja wiederum positiv ist. Ich bin mir auch sicher, dass ich nach den fünf Tagen tatsächlich einen bewussteren Umgang mit Essen entwickelt habe. Ich kann besser unterscheiden, wann mein Körper wirklich Hunger hat und wann nicht. Auch den Geschmack nehme ich wieder viel intensiver wahr und brauche daher viel weniger Gewürze. Appetit auf Süßes habe ich (bis jetzt) noch keinen, stattdessen schreit mein Körper förmlich nach gesundem Essen. Die Woche war für mich eine super spannende Erfahrung, auch in Puncto Selbstdisziplin. Um die Verdauung etwas zu schönen, ist so eine Saftkur also sicher nicht schlecht. Wer sich denkt, dass er fünf Tage eher nicht schafft, kann ja auch erstmal mit drei Tagen starten. Aber bitte nicht vergessen: Eine Saftkur sollte keinesfalls eine normale Ernährung ersetzen und definitiv nicht länger als fünf Tage durchgezogen werden. Es geht hier nicht ums Abnehmen, sondern darum, dem Körper zwischendurch einfach mal etwas Ruhe zu gönnen.