Wenn wir den Namen Neil Armstrong hören, müssen wir alle sofort an die erste Mondlandung denken. Doch dass an diesem historischen Ereignis auch eine Frau wesentlich beteiligt war und dazu beigetragen hat, dass die Apollo 11 auf dem Mond und auch wieder sicher auf der Erde landen konnte, weiß fast niemand. Katherine Johnson ist nur eine von vielen Frauen, die in der Geschichte eine wichtige Rolle gespielt haben, von denen aber kaum jemand weiß. Ein Grund mehr, um all diesen Powerfrauen endlich die Anerkennung zu geben, die sie verdient haben. Das sind Frauen, die in der Vergangenheit Großartiges geleistet haben und nun auch den Beifall dafür ernten sollen: 

Kernphysikerin Lise Meitner erklärte als Erste die Kernspaltung

Die österreichische Kernphysikerin Lise Meitner studierte Physik, Mathematik und Philosophie an der Universität Wien. Sie war die zweite Frau, die 1906 in Physik promovierte. Später ging sie nach Berlin. Gemeinsam mit dem Physiker Otto Hahn beschäftigte sie sich mit Atomphysik. Eigentlich war sie maßgeblich an der physikalischen Erklärung der Kernspaltung beteiligt. Ausgezeichnet wurde dafür aber nur Otto Hahn, der dafür den Nobelpreis bekam. Lise Meitner ging leer aus, und das, obwohl Hahn das Phänomen der Kernspaltung zwar beobachtete, aber nie beschrieb. Trotz der Bemühungen vieler, auch der ihres Kollegen Otto Hahn, Meitner ebenfalls mit dem Nobelpreis auszuzeichnen, passierte das nie.

Katherine Johnson trug maßgeblich zur Mondlandung bei

Eine weitere Frau, die für ihre Arbeit nie die Anerkennung bekam, die sie verdiente, war die afroamerikanische Mathematikerin Katherine Johnson. Sie arbeitete für die NASA und war maßgeblich an der ersten Mondlandung beteiligt. Denn was die Wenigsten wissen, sie berechnete die Flugbahn der Apollo 11.

Rosalind Franklin erforschte die Doppelhelixstruktur der DNA

Die britische Biochemikerin Rosalind Franklin war wesentlich daran beteiligt, die Doppelhelixstruktur der DNA zu erforschen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Raymond Gosling veröffentlichte sie einen Forschungsartikel dazu. Zeitgleich erschien ebenfalls ein Artikel zur Struktur der DNA von James Watson und Francis Crick. Watson und Crick erhielten dafür einen Nobelpreis, Rosalind Franklin allerdings nicht. Und das obwohl die beiden Wissenschaftler für ihren Artikel Forschungsergebnisse der Biochemikerin ohne ihre Zustimmung verwendeten.

Margarete Steffin schrieb große Teile der Stücke von Bertolt Brecht

Margarete Steffin war die Geliebte von Bertolt Brecht und selbst Schriftstellerin. Brecht war berüchtigt dafür, Frauen dazu zu verführen, Manuskripte für ihn zu schreiben. Er versprach ihnen, sie ihm Gegenzug zu heiraten. Steffin war eine davon. Sie verfasste große Teile Brechts bekannter Stücke „Das Leben des Galilei“, „Mutter Courage und ihre Kinder“ und „Der gute Mensch von Sezuan“. Erst in den Sechzigern wurde ihre Mitarbeit an den Werken anerkannt.

Edith Wilson lenkte wichtige Staatsangelegenheit als First Lady an der Seite von US-Präsident Woodrow Wilson

Von 1915 bis 1921 war Edith Wilson die First Lady an der Seite ihres Mannes, des US-Präsidenten Woodrow Wilson. Als der 1919 einen Schlaganfall erlitt, der zu einer Lähmung führte, unterstützte sie ihn im Hintergrund maßgeblich bei Staatsangelegenheiten und lenkte diese während schwerer politischer Zeiten in den USA.

Ada Lovelace arbeitete schon 1833 an einem Computer

Die Mathematikerin hatte schon 1833 die Idee eine „analytische Maschine“ zu entwickeln. Sie war einer der ersten Menschen der Geschichte, den man als Programmierer bezeichnen kann. Ihre Notizen zu dem Computer, den sie bauen wollte, gerieten lange Zeit in Vergessenheit, hatten allerdings große Ähnlichkeiten mit dem Prinzip der modernen Computer. Heute wird ihre Arbeit anerkannt. Mittlerweile ist sogar die Programmiersprache Ada nach ihr benannt.

Nettie Stevens entdeckte als erste Forscherin Geschlechtschromosome

Die Genetikerin aus den USA war maßgeblich an der Erforschung von Geschlechtschromosomen beteiligt und wurde als Erste auf die Vererbung des Geschlechts durch Chromosome aufmerksam – und nicht, wie man früher annahm, durch die Umwelt. Gemeinsam mit Edmund Wilson arbeitete sie an einem Forschungsprojekt zu Chromosomen. Später griff Thomas Hunt Morgan, mit dem sie ebenfalls zusammenarbeitete, ihre Ergebnisse in seinen eigenen Forschungen auf, würdigte ihren wichtigen Beitrag zur Forschung allerdings nie, sondern bekam selbst die Anerkennung dafür.

Candace Pert trug wesentlich zur Entwicklung psychiatrischer Medikamente bei

Die Neurowissenschaftlerin Candace Pert entdeckte 1972 die sogenannten Opiatrezeptoren, die Stellen im Gehirn an denen Endorphine (die sogenannten Glückshormone) andocken. Durch diese Entdeckung konnten neue psychiatrische Medikamente entwickelt werden. Die Anerkennung dafür bekam jedoch der Forscher Solomon Snyder, der das Labor, in dem Pert ihre Forschungen durchführte, damals leitete. Er erhielt dafür sogar eine Auszeichnung, Pert und ihr Team wurden nicht einmal erwähnt. Daraufhin meinte Snyder: „So läuft das Spiel“. Bis zu ihrem Tod bekam Candace Pert nie die Anerkennung, die sie verdiente.

Für das Phänomen, dass Frauen, die maßgeblich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und historischen Entwicklungen beteiligt sind, keine Anerkennung dafür bekommen, gibt es sogar einen eigenen Namen. Der sogenannte Matilda Effekt beschreibt die Verdrängung von Frauen und das Phänomen sexistischer Diskriminierung in der Wissenschaft und wurde 1993 von der Wissenschaftshistorikerin Margaret W. Rossiter erstmals thematisiert.