Fast zweitausend Mal wurde ein Video geteilt, das einen rassistischen Angriff auf eine junge Muslima an einer Wiener Straßenbahnhaltestelle zeigt. Der Vorfall zeigt einmal mehr, dass von antimuslimischem Rassismus vor allem Frauen betroffen sind. Das bestätigt auch der Antimuslimische Rassismus Report der Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit und Antimuslimischer Rassismus.

Rassismus auf offener Straße

In einem 90-sekündigen Handyvideo sieht man, wie eine ältere Frau eine Frau mit Kopftuch auf offener Straße aufs Übelste beschimpft und demütigt. „Die FPÖ schmeißt euch alle raus, die FPÖ schmeißt solche primitiven Tiere wie dich raus, du freches Schwein“, schreit die Frau die 25-jährige Frau an. Immer wieder versucht diese zu erklären, dass sie Österreicherin und hier zuhause ist. Doch sie wird weiter gedemütigt: „Setz dich du Tier“, ruft die ältere Frau. Die junge Muslima fragt, wohin und erhält als Antwort: „Na auf den Boden, wo du hingehörst“. Passanten, die sich für die junge Frau stark machen, werden als Sandler beschimpft. Die aufgebrachte Frau schreit, dass Österreich “ihr Land” sei: „Geh du weg in dein Land, du Hure“.  Dann bespuckt sie die junge Frau. Das Ende März von Asma Aiad, einer Freundin der Betroffenen, verbreitete Video zeigt antimuslimischen Rassismus auf offener Straße. TäterInnen verstecken sich nicht (ausschließlich) hinter anonymen Social Media Accounts, sondern leben Rassismus im Alltag aus, das wurde durch den aktuellen Fall wieder deutlich.

Antimuslimischer Rassismus in Österreich: Zahlen & Fakten

Das Vorfälle wie dieser keineswegs Einzelfälle sind, zeigt der Antimuslimische Rassismus Report der Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit und Antimuslimischer Rassismus aus dem Jahr 2017. Insgesamt wurden 2017 über 300 Fälle von der Organisation dokumentiert und analysiert. Jedoch wird hervorgehoben, dass von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist, da nicht jeder Vorfall gemeldet wird. Verhetzung und verbale Angriffe auf Muslime sind mit 30 bzw. 28 Prozent die häufigsten Arten von antimuslimischem Rassismus. Der oben geschilderte Vorfall der muslimischen Wienerin würde unter die Kategorie des verbalen Angriffs fallen. Zudem weist der Report die Orte der rassistischen Ereignisse auf: fast die Hälfte aller Vorfälle ereignete sich in der (Halb-)Öffentlichkeit. Dennoch entfällt auch knapp ein Drittel auf antimuslimischen Rassismus im Internet. Als weitere Orte werden Bildungsstätten, muslimische Einrichtungen oder auch der Arbeitsplatz genannt.

Weitgehend Frauen betroffen

Ganz deutlich wird außerdem hervorgehoben, dass in Österreich fast ausschließlich Frauen von antimuslimischem Rassismus betroffen sind. Lediglich zwei Prozent aller gemeldeten Fälle hatten Männer als Betroffenen. Man geht davon aus, dass Frauen öfter von antimuslimischen Rassismus betroffen sind, da deren Kleidungsstil für TäterInnen symbolisch für den Islam steht. Auch beim jüngsten Vorfall fühlte sich die ältere Frau durch das Kopftuch der jungen Frau provoziert. Bei Asma Aiad hätten sich als Reaktion auf das Video viele Frauen gemeldet, denen ähnliches passiert ist. Mehrheitlich hätten sich Menschen an sie gewandt, die ebenfalls derartige Erfahrungen machen mussten.

Welle der Solidarität

Wenn der Vorfall etwas Gutes hatte, dann das: überall – online und offline – bekunden Frauen und Männer ihre Solidarität. Gegen Ende des Videos wurde deutlich, dass sich Passanten für die junge Wienerin einsetzten und die ältere Frau zum Gehen aufforderten. Aber auch auf Social Media tut sich eine Welle der Solidarität auf: UserInnen teilen eigene Erfahrungen und leisten dazu bei, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Deutlich wird dabei vor allem, dass antimuslimischer Rassismus kein Einzelfall, sondern vielmehr ein strukturelles Problem ist. Daher hat Asma Aiad ein Crowdfunding Projekt gestartet, um durch Seminare und Workshops dem wachsenden Hass gegen Muslime aktiv entgegenzuwirken.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

WIR BRAUCHEN DEINE UNTERSTÜTZUNG! >> Crowdfunding 💪🏽✊🏽 Viele haben mir geschrieben wie es meiner Freundin geht! Es geht ihr besser und ich leite ihr eure lieben Nachrichten weiter. Es haben mich seit gestern viele Frauen – mehrheitlich MuslimInnen – kontaktiert, dass ihnen ähnliches passiert ist. Sie haben gefragt wie sie reagieren können, damit umgehen können, was gemacht werden kann und sich gewünscht dass es hier mehr Möglichkeiten gibt für Aufklärung, Austauschen und Empowerment. Und das möchten wir durch dieses Crowdfunding ermöglichen. Es sollen Seminare, Workshop und geschützte Räume mir ExpertInnen organisiert werden um gegen den wachsenden Hass und Rassismus mit konstruktivem und selbstermächtigendem Handeln entgegenzuwirken. Dabei brauchen wir eure HILFE! Link in Bio!

Ein Beitrag geteilt von dieAsmaah. (@asmaaiad) am