Der Senat des US-Bundesstaats Alabama stimmte für ein strenges Gesetz, das den Umgang mit Abtreibungen verschärft und sorgt damit weltweit für Proteste. In Zukunft sind Schwangerschaftsabbrüche nur noch bis zur sechsten Woche möglich – bevor der Fötus einen Herzschlag entwickelt. 

Ein Zeitpunkt, zu dem Frauen oft noch gar nicht wissen, dass sie überhaupt schwanger sind. Generell ist ein Abbruch danach zwar schon möglich, jedoch nur dann, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist. Bei Vergewaltigung oder Inzest ist das frühzeitige Beenden einer Schwangerschaft verboten – psychische Folgen werden in diesem Fall nicht berücksichtigt. Falls sich ein Arzt dazu entscheiden sollte trotzdem einen Schwangerschaftsabbruch zu vollziehen, droht eine Haftstrafe von bis zu 99 Jahren.

Somit reiht sich Alabama als fünfter Bundesstaat der USA in einer Liste ein, die die sogenannte Heart Beat Bill verabschiedet. Das ist das umstrittene US-Gesetz, das Schwangerschaftsabbrüche nach der sechsten Woche für illegal erklärt.

Stars rufen mit #youknowme zu Protesten auf

Neben vielen anderen Stars, wie etwa Schauspielerin Milla Jovovich, die offen über ihre Not-Abtreibung sprach, war die neue Gesetzgebung in Alabama auch für Schauspielerin Busy Philipps ein Grund zu handeln. Denn erst vor kurzem hatte sie in ihrer Late-Night-Show „Busy Tonight“ über ihre eigene Abtreibung berichtet – damals war sie 15 Jahre alt. Sie erzählte unter Tränen davon, wie sie diese Erfahrung machte und beendete ihre Reden mit den Worten: “…und vielleicht sitzt du jetzt da und denkst, ‘Ich kenne niemanden, der eine Abtreibung hatte’, aber du kennst mich.” Und genau dieser Satz brachte Busy Philipps dazu einen eigenen Hashtag zu starten: #youknowme.

Frauen weltweit sprechen offen über ihre Abtreibungen

Ihr Aufruf ging viral und es dauerte nicht lange bis viele verschiedene Frauen ihre Geschichte auf Twitter und anderen Social Media Plattformen erzählten. Geschichten, die veranschaulichen, wieso sie sich für eine Abtreibung entschieden hatten. Bei manchen war es die Pille, die nicht funktionieren wollte, andere erzählten von Partnern, die ohne Einverständnis das Kondom entfernt hatten.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

take a look. these are the idiots making decisions for WOMEN in America. Governor Kay Ivey…SHAME ON YOU!!!!

Ein Beitrag geteilt von badgalriri (@badgalriri) am

Viele Frauen berichteten davon, wie sie ihren Schwangerschaftsabbruch erlebten. Wo die meisten Menschen von Trauer, Wut oder Schuld ausgehen würden, sprechen viele von einer Art Erleichterung. Eine Betroffene erzählt, wie sie mit 15 schwanger wurde und wusste, sie könnte sich dieses Kind nicht leisten. Für sie war klar, dass ein Schwangerschaftsabbruch in diesem Moment die richtige Entscheidung war.

Eine andere Frau spricht im Netz wiederum offen darüber, dass sie ihre Freundin bei ihrer Abtreibung begleitete und ihr zur Seite stand, weil sie davon überzeugt ist, dass keine Frau einen Schwangerschaftsabbruch will, aber trotzdem jede ein Recht darauf haben soll. 

Viele Frauen machen außerdem ihrem Ärger darüber Luft, dass es generell traurig und fraglich ist, wieso Frauen überhaupt ihr Innerstes nach Außen tragen müssen, nur damit verstanden wird, warum Schwangerschaftsabbrüche nach der sechsten Woche legal sein sollten und das Recht selbst über den eigenen Körper entscheiden zu können, eine Selbstverständlichkeit sein sollte. 

Warum ein Verbot keine Abtreibungen stoppen kann

Dass Verbote keine Abtreibung stoppen, sondern Frauen dazu bringen sich illegalen Eingriffen unter schlechten hygienischen Bedingungen zu unterziehen, wird ausschließlich von denen thematisiert, die gegen das neue Gesetz protestieren. Abtreibungsgegner hingegen ziehen es vor, dieser Diskussion keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken. Und das, obwohl es bekannt ist, dass in Ländern mit strengen Gesetzgebungen unzählige unsichere Schwangerschaftsabbrüche stattfinden – Schätzung zufolge werden weltweit täglich etwa 70.000 solcher Abtreibungen durchgeführt, die oft sogar bis zum Tod führen.

Im US-Bundesstaat Alabama, in dem das neue Gesetz verabschiedet wurde, sind vor allem Frauen betroffen, die zu bildungsfernen oder einkommenschwächeren Schichten zählen. Denn Frauen, die aus höheren Schichten kommen und über genügend Geld verfügen, bleibt immer noch die Möglichkeit für eine Abtreibung in einen anderen Bundesstaat zu reisen.