Auch während der Coronavirus-Krise tragen in 42 Prozent der Fälle die Mütter die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung, in nur 23 Prozent die Väter. Das zeigt nun eine SORA-Umfrage im Auftrag des Momentum Instituts.

Frauen müssen demnach auch in der Krise deutlich mehr Zeit für Erziehung und Haushalt aufwenden.

Geschlechterunterschiede werden im Homeoffice sichtbar

“Es braucht eine globale Pandemie, um wenigstens ein Viertel der Väter in die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung zu bringen”, resümierte Daniel Schönherr vom Sozialforschungsinstitut SORA im Rahmen einer Online-Pressekonferenz am 5. Mai. Für Familien ist die Krise eine besondere Herausforderung. Laut der Umfrage ist die Kinderbetreuung in der eigenen Wohnung für 51 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer “sehr belastend”.

Geschlechterunterschiede werden demnach vor allem im Homeoffice sichtbar. Väter, die von zu Hause arbeiten, sagen zu 64 Prozent, sie betreuen die Kinder währenddessen, bei Müttern sind es sogar 75 Prozent. Mehr als die Hälfte der Menschen arbeitet weniger als vor der Krise. Eltern im Schnitt ganze 9 Stunden weniger pro Woche. Frauen betrifft das noch stärker als Männer, obwohl sie vorher schon weniger Stunden arbeiten konnten. Die Kinderbetreuung macht das Arbeiten noch schwieriger. Jeder fünfte Befragte arbeitet nun früh am Morgen, abends oder am Wochenende. Sonst geht es sich mit Kindern nicht aus.

Ruhezeiten können wegen Kinderbetreuung nicht eingehalten werden

Laut der Umfrage betreuen 37 Prozent der Eltern ihre Kinder, während sie von zu Hause aus arbeiten. Vor der Coronavirus-Pandemie stellte diese Gruppe gerade einmal sieben Prozent. Gering sind die Betreuungszahlen in den Einrichtungen: Zwei Prozent der Befragten bringen die Kinder zu Schule, drei Prozent in den Kindergarten.

Laut Barbara Blaha, Leiterin des Momentum Instituts, gebe es eine “Entgrenzung der Arbeitszeiten”. Eltern müssten arbeiten, wenn sie nicht gestört werden und könnten so wohl oft die vorgegebenen Ruhezeiten nicht einhalten, vermutet Schönherr.

Großeltern fallen als Betreuer aus

In vielen Fällen fallen während der Krise die Großeltern als Betreuungspersonen aus. Weil Ältere als Risikogruppe gelten, sollen Kinder nicht zu ihnen gebracht werden, um Ansteckungen zu vermeiden. Vor der Krise nutzten 29 Prozent der Befragten diese Option, jetzt nur mehr vier Prozent. Am Land wird bei der Betreuung nach wie vor stärker auf die Großeltern zurückgegriffen, weil viele Familien durch Mehrgenerationenhaushalte sowieso mit ihnen unter einem Dach leben.