Kaum wird es draußen herbstlicher, verabschieden sich nicht nur die Sommerkleider aus dem Schrank, sondern auch die Haare vom Kopf. Dass der saisonale Haarausfall aber etwas ganz Natürliches ist und man sich keine Sorgen machen sollte, erklärt uns die Dermatologin Dr. Golnaz Delir.

Sie gibt auch Tipps, was man gegen den Haarausfall tun kann.

Saisonaler Haarausfall ist ganz normal

Jeden Tag verlieren wir bis zu 100 Haare. Was nach ganz schön viel klingt, ist im Vergleich zu den abertausenden Haaren, die wir am Kopf haben, aber wirklich nur ein geringer Prozentsatz. Vor allem im Herbst fällt aber vielen der Haarausfall verstärkt auf. Sei es nach der Dusche, bei Frisieren oder auf der Kleidung: Mit der kalten Jahreszeit scheinen die Haare vermehrt auf der Kleidung statt auf dem Kopf zu liegen.

Der sogenannte saisonale Haarausfall ist für viele ein jährlicher Schockmoment, gefolgt von panischem Produktkauf und nervösen Google-Suchen. Dabei steckt hinter dem Haarverlust ein ganz natürlicher Prozess, erklärt die Dermatologin Dr. Golnaz Delir vom Kuzbari-Zentrum.

Denn der Haarverlust gehört genauso zum Kreislauf wie das Wachstum. „Unsere Haare durchlaufen einen regulären Haarzyklus“, erklärt sie. „Jedes einzelne Haar macht mehrere Phasen durch: Es gibt eine Wachstumsphase, eine Rückbildungsphase und eine Ruhephase.“

Saisonaler Haarausfall als „Fellwechsel“

Während die Wachstumsphase im Schnitt etwa drei Jahre lang dauert, sind unsere Haare im Anschluss etwa drei Wochen lang in einer ersten Rückbildungsphase, bis es danach zur etwa dreimonatigen Ruhephase kommt. In eben dieser Ruhephase kommt es zum Haarausfall.

Diese Ruhephase geschieht häufig in der Übergangsphase von Spätsommer zu Herbst und Winter. „Wir müssen uns den saisonalen Haarausfall ein bisschen wie einen Fellwechsel vorstellen“, schildert Delir.

Denn meist liegt der Haarausfall auch in diesem Wechsel unter zehn Prozent des Gesamthaares. Den Menschen fällt einfach nur vermehrt auf, dass die Haare allgemein dünner werden. Objektiv ist Haarausfall übrigens erst ab 30 Prozent der Haare erkennbar. So weit kommt es bei dem saisonalen Haarausfall aber meist überhaupt nicht. „In der Regel ist eine Behandlung oder Therapie deshalb nicht notwendig“, betont Delir.

Das kann man präventiv tun

Wer dem saisonalen Haarausfall aber trotzdem ein bisschen entgegenwirken will und sein Haar auch in der kalten Saison stärken möchte, kann aber einiges tun. Denn vor allem in den Sommermonaten werden Haare durch die starke Austrocknung geschädigt.

„Man sollte also vor allem im Herbst und Winter auf den Föhn oder das Glätteisen verzichten und rückfettende Shampoos nehmen, wenn möglich welche mit Kräuterextrakten“, erklärt die Dermatologin. Sie empfiehlt auch Olivenöl-Packungen und -Haarkuren. Wichtig sei auch, „dass man die Haare fleißig bürstet, damit dann auch die Durchblutung der Kopfhaut gegeben ist.“

Dr. Delir warnt außerdem vor zu trockener Raumluft, da diese den Haaren ebenfalls schaden kann. „Auf jeden Fall zu empfehlen sind auch Vitamin C und Vitamin D haltige Präparate sowie Kupfer, Eisen und Zink“, sagt sie. All das könne man auch vorbeugend machen und nicht erst, wenn man den Haarausfall bemerkt. Denn „wir strapazieren unsere Haare durch vieles Föhnen und Färben sehr, deshalb macht es auch Sinn, diese Wirkstoffe präventiv zu nehmen. Was gibt es leichteres, einmal auf den Föhn zu verzichten“, erklärt sie.

Wann sollte man mit Haarausfall zum Arzt gehen?

Wer aber befürchtet, dass sein Haarausfall stärker ist, als der von anderen oder auch einen anderen Grund als den natürlichen Zyklus vermutet, sollte übrigens vor allem eines machen: Abwarten. Die Dermatologin empfiehlt, zuerst einmal zu beobachten und auch die ausgefallenen Haare zu zählen. „Wenn es objektiv auffällt und man mehrere Wochen lang mehr als 100 Haare pro Tag verliert, dann würde ich einen Facharzt aufsuchen“, sagt sie.

Der saisonale Haarausfall sei aber etwas absolut normales und natürliches. „Ein saisonaler Haarausfall ist völlig in Ordnung und führt eher dazu, dass wir frisches und neues Haar bekommen“, beruhigt die Dermatologin. „Denn für jedes Haar das wir verlieren kommt ein frisches, neues Haar nach. Es braucht nur ein bisschen Zeit, bis es wieder wächst.“