Schätzungen zufolge werden in der EU pro Jahr 88 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Dies entspricht umgerechnet einer Menge von 173 Kilogramm pro Person. Etwas mehr als die Hälfte aller weggeworfenen Lebensmittel stammen aus privaten Haushalten. Durchschnittlich ein Viertel der eingekauften Lebensmittel wird pro Haushalt wieder weggeworfen. Allein in Österreich fallen laut einer Studie mehr als 577.000 Tonnen an vermeidbaren Lebensmittelabfällen entlang der Wertschöpfungskette an. Somit könnte nur mit den verschwendeten Lebensmitteln die gesamte Bevölkerung Kärntens für ein Jahr ernährt werden. “Auf dem Weg vom Feld zum Teller geht ein Drittel der Lebensmittel unnötig verloren – das ist eine sinnlose Verschwendung von Ressourcen mit fatalen Folgen für Umwelt, Natur und Klima”, warnte Olivia Herzog, Expertin für nachhaltige Ernährung beim WWF Österreich. Viel lässt sich mit der richtigen Planung und einem bewussten Umgang mit Lebensmitteln vermeiden.

Um sinnlose Lebensmittelverschwendung zu stoppen, braucht es auch politische Rahmenbedingungen: Die Bundesregierung müsse laut WWF  einen verbindlichen Aktionsplan vorlegen, damit vermeidbare Lebensmittelabfälle bis 2030 zumindest um die Hälfte reduziert werden können. “Freiwilligkeit allein reicht nicht. Umweltministerin Elisabeth Köstinger sollte ein verbindliches Maßnahmenpaket erarbeiten, um die skandalöse Verschwendung von Ressourcen zu stoppen. Essen darf nicht für den Mist sein”, sagte Herzog.

Dennoch kann auch jeder oder jede Einzelne einen Beitrag leisten: Gerade in Single-Haushalten kann es ganz schön schwer werden, Lebensmittel so zu verwerten, dass nichts verdirbt oder grundlos in der Tonne landet. Dabei ist das gar nicht so schwer – wenn man einige kleine Dinge in seinem Einkaufs- und Kochverhalten hinterfragt. Das ist gut für die Umwelt und fürs Börserl.

Lebensmittelverschwendung durch Planung verhindern

Worauf beim Einkaufen achten?

  • Speiseplan für die ganze Woche planen
  • Vor dem Einkauf checken, welche Lebensmittel man noch zuhause hat, um Doppelkäufe zu vermeiden
  • Lebensmittel, die schnell verderben, erst kurz vor Gebrauch kaufen
  • Bewusst zu Obst und Gemüse greifen, das kleine “Makel”, wie Druckstellen oder eine ungewöhnliche Form hat. Diese Stücke bleiben häufig übrig
  • Nicht hungrig einkaufen gehen

Worauf beim Lagern achten?

  • Das Mindeshaltbarkeitsdatum als Richtlinie sehen. Die meisten Lebensmittel sind noch Tage bis Monate nach Ablauf des MHD genießbar. Es bedeutet schlicht, dass das Produkt nach Ablauf nicht mehr die gleiche Qualität wie zuvor haben könnte. Wenn das Lebensmittel unverdorben riecht, aussieht und schmeckt, kann man es in den allermeisten Fällen unbedenklich genießen. Ist hingegen ein Verbrauchsdatum angegeben, wird vom Verzehr nach Ablauf abgeraten. Fisch und Fleisch deshalb erst kaufen, wenn klar ist, wann und wie viel man braucht. Trockene Dinge wie Salz, Nudeln oder Mehl sind bei richtiger Lagerung sehr, sehr lange haltbar.
  • Individuelle Lagerung beachten: Manche Obst- und Gemüsesorten mögen es kühl, andere wiederum brauchen Zimmertemperatur. Und auch im Kühlschrank kann man einiges richtig – oder falsch machen. In den unterschiedlichen Fächern herrschen unterschiedliche Temperaturen.
  • Käse bleibt in Wachspapier länger frisch, Salate ungewaschen in einem feuchten Baumwolltuch, Brot in einem Brotkasten aus Holz
  • Bei Avocados bleibt der Kern drin
  • Beim Einfrieren auf Beschriftung achten (was befindet sich in der Dose, wann habe ich es eingefroren)
  • Vorratschränke regelmäßig durchschauen und sortieren – neue Produkte nach hinten, ältere nach vor, und so schnell als möglich aufbrauchen

Der Verein Wiener Tafel, der sich für einen verantwortungsvollen Umgangs mit wertvollen Ressourcen einsetzt, hat zusammengefasst, wie lange jene Lebensmittel, die jeder zuhause hat, im Durchschnitt länger als das angegeben “Mindesthaltbarkeitsdatum” genießbar sind:

Worauf beim Kochen achten?

  • Die richtige Menge kochen. Am besten so viel, wie man in den nächsten Tagen gut aufbrauchen oder einfrieren kann und bevor die Zutaten verderben könnten
  • Obst und Gemüse erst kurz vorm Zubereiten waschen
  • Auch aus Resten lassen sich tolle Gerichte zaubern, alles was man dazu braucht, ist etwas Kreativität. Überreife Früchte zum Beispiel lassen sich zu Smoothies verarbeiten, trockenes Brot, das man in ein feuchtes Handtuch wickelt und dann kurz aufbäckt, wird so wieder weich. Hilft das nicht, kann man beispielsweise immer noch Croutons daraus machen